Rosemary Kennedy: Opfer der Perfektion
Shownotes
Rosemary Kennedy war das Kind einer der einflussreichsten Familien Amerikas – und doch war ihr Leben von Anfang an von Fremdbestimmung geprägt. Eine traumatische Geburt, hohe Erwartungen und der verzweifelte Versuch, sie mit besonderer Förderung „normal“ zu machen, bestimmten ihre Kindheit. Schließlich entschied ihr Vater, aus Angst um seinen eigenen Ruf, eine Lobotomie durchführen zu lassen – mit verheerenden Folgen.
Diese Episode beleuchtet nicht nur Rosemarys tragisches Schicksal, sondern auch den gesellschaftlichen Umgang mit behinderten Menschen – damals wie heute. Wie viel hat sich wirklich verändert? Warum wird bis heute oft mehr Wert darauf gelegt, Menschen „anzupassen“, anstatt echte Inklusion zu ermöglichen? Und warum werden behinderte Menschen nach wie vor aus dem öffentlichen Leben verdrängt, wenn sie sich nicht anpassen lassen?
Eine Folge über medizinische Irrwege, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage, was echte Inklusion bedeutet.
Bildmaterialien findet ihr auf unserem Instagram-Kanal papasganzerstolz.podcast
Hosts: Magdalena Emilia und Marlies Johanna
Produzent: Johannes Martin
Musik und Sounds: Finn Kleffmann
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo, liebe Marlies.
00:00:01: Hallo, liebe Maggie. - Hallo, liebe Puppies.
00:00:04: Und stimmt die Puppies. - Ja.
00:00:07: Ich wollte gerade sagen, alle, die gerade das Video angucken,
00:00:10: sehen, dass ich in einem komisch komischen Setting sitze.
00:00:13: Das liegt daran, dass wir wieder Remote aufnehmen.
00:00:16: Bei mir ist so viel Heil, also an der Stelle auch Entschuldigung,
00:00:19: an die letzten zwei Remote aufgenommen, Folgen.
00:00:22: Ich glaube, es ist sehr lustig, sich diese Folge anzugucken.
00:00:25: Ich glaube, dass ich irgendwie ...
00:00:27: auch hier so verstecken. - Ja.
00:00:29: Also für mich sieht es gemütlich aus bei dir, muss ich sagen.
00:00:34: Ja, ist auch sehr gemütlich. - Mir gefällt's.
00:00:36: Ja, ja, das war auch viel Arbeit hier, dieses Ding.
00:00:39: An der Stelle auch Danke an Finn Cleffmann,
00:00:42: der auch unser Intro und Outro gemacht hat.
00:00:45: Der hat mir nämlich hier geholfen, so wenig Heil wie möglich zu haben.
00:00:49: Ich hoffe, dass es dieses Mal auch besser ist.
00:00:51: We will see. Hast du was für mich mitgebracht?
00:00:54: Ich habe eine Nachricht für dich mitgebracht zur letzten Folge.
00:00:58: Also, alle, die die Folge noch nicht ...
00:01:01: Was?
00:01:03: Für uns nicht nur für mich. - Ich wollte es nicht so ich zentriert machen.
00:01:08: Natürlich für uns.
00:01:10: Und zwar eine kleine Erfahrungsgeschichte
00:01:13: zum Thema der letzten Folge, und ich lese einfach mal vor.
00:01:17: Hallo, ich bin noch ganz am Anfang der jetzigen Folge
00:01:20: und würde gerne meine persönliche Perspektive mit euch teilen.
00:01:24: Unsere Mutter war auch immer berufstätig
00:01:26: und hat auch eine Führungsposition inne.
00:01:28: Unser Vater hat ebenfalls eine recht hohe Managerposition.
00:01:32: Als Kind fehlte es mir manchmal aber eher selten,
00:01:35: wenn ich sah, wie oft meine Freunde ihre Eltern zu Hause hatten.
00:01:39: Dafür hatten wir halt viel Zeit bei Freunden oder unseren Großeltern,
00:01:42: was ich damals aber auch rückblickend sehr schön finde.
00:01:46: Ein großer Pluspunkt, der mir erst mit dem Alter werden,
00:01:50: als dieser aufgefallen ist,
00:01:52: ist, dass meine Schwester und ich nie das Gefühl hatten,
00:01:55: aufgrund unseres Geschlechts eine Position
00:01:57: oder einen Beruf nicht ausüben zu können.
00:02:00: Als Kinder war unser Traumberuf kein Beruf
00:02:02: wie eine Position im Unternehmen wie Manager oder Chef.
00:02:06: Es später lernte ich, dass es keine Selbstverständlichkeit ist
00:02:09: und Frauen viel seltener eine Führungsposition haben.
00:02:12: Ja, voll.
00:02:14: Dennoch habe ich durch meine Mutter als Vorbild
00:02:16: eine Art Vertrauen in mich selbst,
00:02:18: dass ich auch eine erfolgreiche Karriere machen kann.
00:02:21: Ich finde euren Podcast echt super.
00:02:23: Mir fällt es normalerweise schwer, regelmäßig dran zu bleiben.
00:02:27: Bei euch freue ich mich Sonntags, aber schon auf die nächste Folge.
00:02:30: Vielen Dank dafür. - Wie schön.
00:02:32: Ich habe auch einige Bücher. - Ich habe mich voll gefreut.
00:02:35: Das ist auch süß.
00:02:36: Ich habe auch einige Bücher, die Magdalena im Podcast
00:02:39: oder in ihrer Story empfohlen hat, nachgekauft.
00:02:42: Ich bin sehr begeistert und habe eine L-Wunschliste.
00:02:45: Liebe Grüße euch beiden. - Ah, also ...
00:02:47: Süß, oder? - Liebe Grüße zurück.
00:02:49: Deine Buchempfehlung ist einfach immer die besten Befehlungs-Ease.
00:02:53: Danke. - Danke.
00:02:54: Das liegt daran, dass ich so endlos viel lese
00:02:56: und ich euch deswegen nur die guten Bücher empfehlen kann.
00:02:59: Und auch schon weiß, wo, was ist und so.
00:03:02: Auch wann man welche Bücher ...
00:03:04: Falls ihr das wollen wollt, ich habe auch ein Goodreads-Account.
00:03:07: Da könnt ihr euch durchlesen, worum es in bestimmten Büchern geht
00:03:11: und wann man sie lesen sollte und nicht lesen sollte.
00:03:13: Geil, was ist das? - Goodreads.
00:03:15: Das muss ich mal angucken.
00:03:17: Instagram nur für Bücher.
00:03:19: Du gibst an, welches Buch du gerade liest.
00:03:21: Wenn du es gelesen hast, kannst du eine Sterne-Bewertung machen.
00:03:25: Du kannst, wenn du willst, auch eine kleine Rezension schreiben.
00:03:28: Ich habe das immer so gemacht, dass ich gesagt habe, worum es geht.
00:03:31: Dann habe ich noch Kategorien lesen wenn oder nicht lesen wenn.
00:03:35: Ich finde, jedes Buch ist lesenswert.
00:03:37: Man muss nur wissen, an welchem Stand man ist
00:03:40: und wann man es lesen sollte.
00:03:42: Deswegen dachte ich das eigentlich ganz cool.
00:03:44: Ich wollte mir auch mal angucken.
00:03:46: Aber ich wollte auch noch mal sagen, dass ich generell finde,
00:03:50: ich weiß gar nicht, ob Martin das jetzt rausschneidet oder nicht.
00:03:53: Aber ich finde, dass deine Empfehlungen,
00:03:56: auch wenn ihr Maggie folgt auf Instagram oder so,
00:03:58: also Maggie's Empfehlungen sind für mich immer gut.
00:04:01: Egal, was sie ... Sie kann mir Klamotten kaufen.
00:04:04: Ich lieb die dann. Sie kann mir Bücher empfehlen.
00:04:06: Ich lieb die dann. - Das ist so wirklich ...
00:04:09: Sie kann mir Musik schicken.
00:04:10: Ich finde, Maggie's für gut befunden Stempel sind wirklich gut.
00:04:14: Aber Leute, ihr müsst da halt auch beachten,
00:04:16: dass es andersrum mit Marlies auch so ist
00:04:19: und dass unsere Gehirne halt auch gleichgeschaltet sind.
00:04:22: Na gut. - Also, das kann ich auch nur zurückgeben.
00:04:26: Bei mir ist es genauso, dass so die Bücher,
00:04:28: wo du voll begeistert für bist, da fang ich an zu lesen.
00:04:31: Ich werd direkt so voll aufgeregt, weil die Bücher so gut sind.
00:04:34: Das kenn ich. - Ach ja, so viel dazu.
00:04:36: Na gut. - Okay.
00:04:38: Die Folge heute ist ein bisschen ernst da.
00:04:40: Genau, ich hab die Folge heute vorgefallen, vorbereitet.
00:04:44: In der Folge ist aber auch viel vorgefallen.
00:04:46: Die ist ein bisschen ernster.
00:04:47: Ich wollte versuchen, dass hier mit der Stimmung runterkommen.
00:04:51: Ein bisschen in ... Ja, die ist heftig.
00:04:53: Du kannst dich darauf einstellen, die Folge ist an vielen Stellen,
00:04:57: finde ich persönlich schon ganz schön ... schwer.
00:05:01: Okay.
00:05:02: Und ich hab dir natürlich eine Einstiegsfrage mitgebracht,
00:05:05: die uns vielleicht auch schon so ein bisschen auf das Thema
00:05:08: hinbringt und auch in die richtige Stimmung.
00:05:11: Und zwar, wenn du schwanger wärst
00:05:13: und bei einer Routineuntersuchung würde den Ärzten etwas auffallen,
00:05:18: was darauf hindeuten könnte, dass dein Kind eine Behinderung hat,
00:05:22: würdest du dann weitere Diagnostik machen lassen,
00:05:25: um herauszufinden, ob es so ist,
00:05:27: oder würdest du einfach die Schwangerschaft weiterführen
00:05:30: und darauf vertrauen, dass alles gut ist?
00:05:32: Ähm ... also, ich glaube, wahrscheinlich,
00:05:37: wenn ich jetzt so darüber nachdenke, also,
00:05:40: das ist ja schon so, dass zum Beispiel ...
00:05:43: Also, da geht es dann ja um eine Behinderung irgendwie.
00:05:45: Und das ist ja ein Hinweis darauf,
00:05:48: dass eben ganz bestimmte Ressourcen dann auch gebraucht werden.
00:05:52: Und deswegen würde ich, glaube ich, das schon noch weiter untersuchen,
00:05:55: um mich dann bestmöglich darauf vorzubereiten.
00:05:58: Also, auch zum Beispiel, um zu wissen,
00:06:00: brauche ich vielleicht sogar auch noch mehr Hilfe von außen.
00:06:03: Also, weil je nachdem jetzt im Moment ist es so,
00:06:05: wir leben auch in der Nähe von Chris' Familie,
00:06:07: das heißt, ich wüsste schon, dass ich irgendwie Unterstützung bekomme.
00:06:11: Nachdem würde ich schon auch gucken,
00:06:13: einfach, dass ich mich so bestmöglich darauf vorbereiten kann,
00:06:17: vielleicht auch ein Kind mit Behinderung zu haben.
00:06:20: Ähm ... oder halt eben, was es genau ist, was man ...
00:06:24: Also, einfach, dass ich mich bestmöglich darauf vorbereiten kann.
00:06:27: Das würde ich ja bei einem Kind ohne Behinderung auch machen,
00:06:30: in dem Sinne, als dass ich halt schon weiß, was auf mich zukommt.
00:06:33: Also, ja, ich glaube schon, dass ich das machen würde.
00:06:36: Okay, und würdest du dann, wenn es so wäre in ...
00:06:39: Also, wenn es so wäre, dass das Kind halt eine Behinderung hat,
00:06:42: also, einmal kurz zur Einordnung,
00:06:44: ist manchmal so, dass man irgendwelche Auffälligkeiten im Ultraschall
00:06:48: sieht, die am Ende gar keine sind.
00:06:50: Und dann kann man daraufhin so eine Prenataldiagnostik machen.
00:06:53: Da wird halt dann Fruchtwasser entnommen,
00:06:55: und das ist aber auch mit einem Risiko verbunden.
00:06:58: Also, diese Prenataldiagnostik, die kann halt dann schon auch dazu führen,
00:07:02: dass die Schwangerschaft halt dann zum Beispiel beendet wird.
00:07:05: Also halt nicht so oft, aber es ist halt schon ...
00:07:08: Man kann auch ... Man könnte auch warten,
00:07:11: bis das Kind sich weiterentwickelt,
00:07:13: und dann würde man halt, wenn das größer ist,
00:07:15: also, es geht halt um ... Also, Prenataldiagnostik macht man,
00:07:18: glaub ich, innerhalb der ersten zwölf Wochen.
00:07:20: Ah, okay. - Je älter das Kind wird,
00:07:22: das haben wir auch über Annie Erno gesprochen,
00:07:25: dass du ... Ich glaub, irgendwann darf man keinen Abbruch mehr machen lassen.
00:07:28: Je nachdem, wie schwer die Behinderung ist.
00:07:31: Das heißt, wenn du jetzt eine Prenataldiagnostik machst,
00:07:34: also, wenn du halt ... Du könntest warten,
00:07:37: du kannst bis zur 16., 18. oder 25. Woche,
00:07:40: und dann würde man halt auch sehen, ob das Kind eine Behinderung hat
00:07:43: oder nicht im Ultraschall, oder du machst halt vor der zwölften Woche
00:07:46: die Prenataldiagnostik, und dann hättest du noch die Möglichkeit,
00:07:50: die Schwangerschaft abzubrechen, das ist nämlich nicht einfach so möglich.
00:07:54: Also, du kannst nicht, wenn du ein Kind ...
00:07:56: Wenn die zum Beispiel merken, ah, dein Kind, das hat irgendwie eine Hand,
00:08:00: die entwickelt sich nicht ganz so gut oder so,
00:08:02: kannst du nicht sagen, ja, hier in der 24. Woche,
00:08:04: die Schwangerschaft lieber noch mal abso, weil das ist ja ...
00:08:07: Ich mein, das ist ... - Ja, voll.
00:08:09: Das geht wirklich nur bei Erkrankungen.
00:08:11: Wenn man dann irgendwie in der 24. Woche feststellt,
00:08:14: ja, das Kind, das wird halt auf jeden Fall ...
00:08:16: Also, es wird halt tot sein, bevor die Schwangerschaft beendet ist,
00:08:20: dann könnte man vorzeitig abbrechen.
00:08:22: Aber viele Eltern entscheiden sich dann tatsächlich,
00:08:24: auch trotzdem dazu, die Schwangerschaft so lange vorzuführen,
00:08:28: bis das Kind quasi von alleine stirbt.
00:08:30: Ja, also, das wusste ich jetzt gar nicht, dass man da ...
00:08:33: "Ne, ich mach's nicht."
00:08:34: Also, dann würde ich quasi einfach warten,
00:08:36: wie ist der Entwicklungsstand, was kann man da noch alles sehen und so.
00:08:40: Weil also, für mich, wenn ich mich für ein Kind entscheide,
00:08:43: dann würde ich, also ...
00:08:45: Für mich ist es halt so, egal, was quasi am Ende bei diesem Kind rauskommt,
00:08:49: ich hab vorher schon sichergestellt,
00:08:51: dass ich genug Ressourcen und Kapazitäten hab.
00:08:54: Und dementsprechend, wer die Frage nach einem Abbruch,
00:08:57: wer quasi schon davor eh schon erledigt.
00:09:00: Also, entweder, ich würde eh mir schon denken,
00:09:02: nee, ich muss das Kind abtreiben,
00:09:04: weil ich hab auf gar keinen Fall genug Ressourcen oder Kapazitäten,
00:09:08: um das zu machen oder vielleicht auch keinen Kinderwunsch.
00:09:11: Aber in dem Fall würde ich, glaub ich, warten,
00:09:13: bis man quasi mehr sieht,
00:09:15: weil dann, wenn es halt dann noch mal zusätzliche Risiken gibt
00:09:18: für eine Frage, die ich halt mir eh in 24 Wochen beantworten kann,
00:09:22: würde ich, glaub ich, warten. - Ja.
00:09:24: Ja, ich kann dir ehrlich gesagt gar nicht sagen,
00:09:26: wie ... also, ich kann mir wirklich gar nicht vorstellen,
00:09:29: wie ich mich fühlen würde.
00:09:31: Ich war also jetzt so im abstrakten Gedanken,
00:09:34: würde mir das schon ein bisschen Panik machen, ehrlich gesagt,
00:09:37: weil ich das schon als sehr herausfordernd empfinde.
00:09:42: Also pflegende Elternschaft, so, ich mein ... - Mhm.
00:09:47: Also, ich bin ja ... also, ich hab ja nur Autismus,
00:09:50: was ja eine unsichtbare Behinderung ist so.
00:09:52: Das kann ja auch generell passieren,
00:09:54: sodass die Kinder einfach eine unsichtbare Behinderung haben.
00:09:58: Aber ...
00:09:59: Ich glaube, ich hätte dadurch, dass ich gar nicht weiß,
00:10:02: wie pflegende Elternschaft funktioniert
00:10:04: und auch zu wenig Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung habe,
00:10:08: und da wären wir wieder beim Thema Integration,
00:10:10: dass ich gar nicht wüsste, wie ist eigentlich der Tagesablauf,
00:10:13: was bedeutet das für mich?
00:10:15: Und ich glaube, das würde mir vor allem Angst machen,
00:10:18: gar nicht dieses ...
00:10:19: Ich finde, man hat so eine rohe Vorstellung davon,
00:10:22: wie der Tagesablauf mit Kindern ist,
00:10:24: weil das weiß man einfach so ein bisschen,
00:10:26: oder zumindest denkt man, dass man es weiß.
00:10:28: Wie pflegende Elternschaft ist, wie man darüber weiß,
00:10:31: wie pflegende Elternschaft ist.
00:10:33: Eigentlich ist das auch das, was so selbstverständlich stattfindet.
00:10:37: Aber ich glaube, dieses große, schwarze Loch quasi,
00:10:39: dieses große Fragezeichen, was das für mich bedeutet,
00:10:42: das würde mir so viel Angst machen,
00:10:44: dass ich auf jeden Fall eine Prenataldiagnostik machen würde,
00:10:48: damit ich jede freie Sekunde nutzen könnte,
00:10:50: mich damit auseinanderzusetzen.
00:10:52: Was das jetzt für mein zukünftiges Leben bedeutet,
00:10:55: also, ich glaube, ich würde dann einfach lesen, lesen, lesen.
00:10:58: Das ist von dir kennt. - Voll.
00:11:00: Ich hab es gerade auch überlegt, ob ich, ich glaube nicht,
00:11:03: dass ich die Schwangerschaft abbrechen würde,
00:11:05: außer mir würde wirklich jemand sagen,
00:11:07: jede Sekunde dieses Kindes wird einfach nur qualvoll sein
00:11:10: und voll Schmerz oder so was. - Für das Kind auch, ja.
00:11:13: Genau, dann würde ich es schon machen.
00:11:15: Aber ich glaube, und das meine ich jetzt gar nicht so,
00:11:18: als Gutmensch getourt, sondern ich weiß, dass ich dieses ...
00:11:21: Allein schon, wenn ich irgendwie am Monats anfangen,
00:11:24: also, wenn meine Periode zu spät kommt,
00:11:27: und ich denke, also, jetzt mittlerweile,
00:11:29: ich könnte vielleicht schwanger sein,
00:11:31: dann fang ich schon an, dieses potenzielle Idee eines Babys
00:11:34: so sehr zu lieben, dass ich, glaube ich,
00:11:36: es niemals übers Herz bringen würde,
00:11:38: dieses Baby dann, also, die Schwangerschaft dann abzubrechen.
00:11:42: Irgendwie. - Also, ich find's eh so krass, weil diese ...
00:11:45: Also, ich find's lustig, also, nicht, es ist überhaupt nicht lustig.
00:11:49: Es ist eigentlich grauenhaft, dass ja eigentlich ...
00:11:51: Also, das ...
00:11:53: Ich mein, es ist nicht grauenhaft,
00:11:55: dass wir uns nicht mehr sprechen, aber ich find's irgendwie krass,
00:11:58: wie Menschen immer so sind, Abtreibungen sind ganz schlimm,
00:12:01: bis es sich um ein Kind mit Behinderung handelt,
00:12:04: dann sind alle so javerständlich. - Ja, ja.
00:12:06: Also, und irgendwie find ich das halt voll krass,
00:12:09: und natürlich kann ich das nachvollziehen mit Ressourcen haben
00:12:12: oder nicht, aber ich hab halt das Gefühl,
00:12:14: die Debatte wird halt eher so geführt, so von wegen,
00:12:17: ja, ich hab halt einfach keinen Bock auf ein Kind mit Behinderung.
00:12:21: Also, das ist halt was ganz anderes, irgendwie.
00:12:23: Was für mich einer der Hauptgründe ist,
00:12:26: warum die Schwangerschaft abgebrochen wird.
00:12:28: Ich glaube nicht, dass es ist, ich hab keinen Bock darauf,
00:12:31: sondern eben genau dieses, was ich beschrieben habe,
00:12:34: dass man sich nichts darunter vorstellen kann,
00:12:36: was es zu bedeuten hat.
00:12:37: Und dass halt der gesellschaftliche Druck auch so groß ist.
00:12:40: Also, ich hab Zahlen rausgesucht, und zwar 90 Prozent der Schwangerschaften,
00:12:44: bei denen bei der Prenataldiagnostik Trisomy 21 festgestellt wird,
00:12:48: also Down-Symptomen, enden mit einem Schwangerschaftsabbruch.
00:12:51: Also, 90 Prozent der Schwangerschaften werden abgebrochen.
00:12:53: Und das ist wohl die durchschnittliche Lebenserwartung
00:12:56: von Menschen mit Down-Symptomen bei 60 Jahren liegt.
00:12:59: Also, die können eigentlich ein komplett normales Leben führen so.
00:13:02: Natürlich brauchen sie halt pflegere Unterstützung.
00:13:05: Und das heißt aber auch,
00:13:06: dass eine medizinische Indikation zum Abbruch halt nicht vorliegt,
00:13:10: in der Regel.
00:13:11: Außer die haben noch andere Behinderungen,
00:13:13: aber das ist also, außer die stellen bei dem Kind
00:13:15: noch andere Behinderungen vor, so meint ich das nicht,
00:13:18: die im Sinne von abwertend abjektifizieren, sondern genau die Kinder.
00:13:21: Und das finde ich auch krass.
00:13:23: Und als Gründe werden halt angegeben,
00:13:25: psychische Belastungen durch pflegende Eltern schafft.
00:13:27: Also, das ist, glaube ich, genau das, was ich jetzt meinte.
00:13:30: Dann halt der gesellschaftliche Druck und auch Mangel an Unterstützung.
00:13:33: Und da ist, glaube ich, auch noch so ein großer Punkt,
00:13:36: dass man nicht vergessen darf, dass das, was ich jetzt gesagt habe,
00:13:39: schon auch mit Privilegien verbunden ist.
00:13:41: Nämlich, dass ich mir das auch irgendwie leisten kann.
00:13:44: Ich könnte mir Unterstützung leisten,
00:13:46: die über das, was andere so an Unterstützung bekommen,
00:13:49: vom Staat gestellt hinausgeht.
00:13:51: Weil es ist ja nicht nur die pflegere Tätigkeit,
00:13:54: die ein Kind mit sich bringt, sondern ja auch dann ständig zum Arzt fahren,
00:13:58: irgendwie das Haus umbauen, barrierefrei leben,
00:14:01: dann mit der gesellschaftlichen Stigmatisierung umgehen.
00:14:04: Vielleicht, also je nachdem, was für eine Behinderung das Kind hat,
00:14:07: andere Sprachen, also wie es so eine Sprache lernt,
00:14:09: wenn man so Gebärdensprache oder sowas, das ist ja, also ich mein,
00:14:13: okay, jetzt, wenn jemand irgendwie taub ist, würde der ja auch gar nicht,
00:14:17: also das würde er wahrscheinlich gar nicht festgestellt werden können
00:14:20: oder das ist ja schon ein Stabilisierstil.
00:14:22: Oder glaube ich, aber ... - Ich bin mir gerade nicht ganz sicher,
00:14:25: aber ich glaube, man sagt eigentlich Gehörlos.
00:14:28: Entschuldigung, ja, das ist gut, dass du das sagst.
00:14:30: Nee, alles gut. - Ja.
00:14:32: Ja, okay, also wenn jemand Gehörlos ist,
00:14:34: dann muss man eine neue Sprache lernen.
00:14:36: Also so generell, ich glaube, man muss einfach sehr viel lernen,
00:14:40: das habe ich auch gerade gesagt, ich würde mir alles anlesen,
00:14:43: was ich dazu zu wissen brauche und so, also halt so,
00:14:46: das ist ja allein schon Privileg, dass ich die Zeit habe.
00:14:49: Ich kann das nicht unbedingt verurteilen,
00:14:51: weil das Problem liegt da, finde ich nicht in den Personen,
00:14:54: die dann diese Entscheidung treffen oder beziehungsweise ...
00:14:58: Also, es ist ja einfach auch so ein Produkt unserer Zeit quasi,
00:15:01: dass die Menschen auf Leistung ausgelegt sein müssen
00:15:05: und Personen, die halt nicht leisten können,
00:15:07: dann hinten runterfallen, so. - Ja, voll.
00:15:10: Aber ich fand es auch krass, dass ich mit den 90 Prozent,
00:15:13: also da wurde mir auch ein bisschen übel, als ich das gelesen habe,
00:15:17: ich dachte so, na ja, vielleicht so 50 Prozent oder so.
00:15:20: Ich dachte schon viele, also mir war es schon klar,
00:15:22: dass es viele sind, aber also je nach Quelle waren es halt auch
00:15:26: zum Teil 95 Prozent, es fand ich dann auch irgendwie ein bisschen erschreckend.
00:15:29: Alter, ich finde, das ist so heftig viel, meine Güte.
00:15:33: Ja, aber es ist halt auch wirklich so,
00:15:35: dass Menschen mit Behinderung ja auch einfach im öffentlichen Raum
00:15:38: kaum stattfinden.
00:15:39: Und ja, ich weiß auch nicht, ich glaube, man hat auch ...
00:15:43: Also ich ...
00:15:45: Ich glaube, es liegt schon auch daran,
00:15:47: dass Schwangerschaften einfach viel abgebrochen werden,
00:15:49: aber eben auch daran, dass halt ...
00:15:51: dass so gesellschaftlich stigmatisiert ist,
00:15:53: dass sich niemand irgendwie so richtig ...
00:15:56: ja, raustraut quasi, wo das auch gar nicht so möglich ist.
00:15:59: Ja, ich finde es voll krass, weil also,
00:16:01: das ist ja auch ein bisschen das, was halt in unserer Gesellschaft passiert,
00:16:05: dass man halt Menschen mit Behinderung ...
00:16:07: also quasi wie so, ja, wir haben hier behinderten Werkstätten,
00:16:10: geht da mal hin und dann sind wir euch wie so los.
00:16:13: Das ist ja auch genau der Umgang mit Menschen mit Behinderung
00:16:15: so mehr oder weniger, ja, ihr dürft halt existieren,
00:16:17: aber belastet mich halt nicht,
00:16:18: und ich will euch halt eigentlich auch nicht in meinem Alltag sehen.
00:16:21: Und das ist ja einfach hochproblematisch.
00:16:23: Und vor allem ist es nicht nur hochproblematisch,
00:16:25: sondern uns geht halt dadurch ...
00:16:27: also uns gehen dadurch halt auch einfach richtig wertvolle Perspektiven
00:16:30: auf das Leben verloren.
00:16:31: Also das darf man ja nicht vergessen,
00:16:33: dass Menschen mit Behinderung auch einfach teilweise
00:16:35: grundlegend andere Erfahrungen machen
00:16:37: und wie doll wir auch einfach als Gesellschaft davon profitieren können,
00:16:40: einfach weil wir dann viel mehr zusammenwachsen würden.
00:16:42: Und vor allem, weil wir ja auch lernen könnten,
00:16:44: wie Integration, also das heißt Integration, oder?
00:16:47: Wie Integration halt richtig funktioniert
00:16:49: und was daran wichtig ist, wie in Bahnhof aussehen muss,
00:16:52: damit sich eine Person im Rollstuhl sitzt, dort wohlfühlen kann.
00:16:56: Oder ja, keine Ahnung, auch so was wie ...
00:16:58: Voll ist so.
00:17:00: dass Menschen eben unterschiedlich sind, unterschiedlich aussehen
00:17:02: und ja, wie du schon sagst, unterschiedliche Perspektiven haben.
00:17:05: Gut, ja.
00:17:07: So viel dazu, ich denke, was ich auch noch irgendwie
00:17:11: gerade in spannenden Gedanken, die ich jetzt noch kurz reinwerfen will,
00:17:13: ist auch, dass ich mich immer so anmaßend fühle, wenn ich sage,
00:17:16: ich bin autistisch und habe deshalb eine unsichtbare Behinderung,
00:17:19: weil ich halt weiß, dass dadurch, dass ich quasi neurotypisch gelesen bin
00:17:24: und gesund gelesen werde oder ohne Behinderung gelesen werde,
00:17:27: einfach alle Privilegien habe, die ich so auf den ersten Blick
00:17:32: quasi haben kann und dass es halt null vergleichbar ist
00:17:34: mit einer Person, die halt sichtbar behindert ist,
00:17:36: was die gesellschaftlich für Stigmatisierung angeht.
00:17:39: So.
00:17:40: Okay.
00:17:41: Ist ja genau dasselbe auch, wie dass wir eben
00:17:43: eigentlich auch Menschen mit Migrationshintergrund sind,
00:17:45: aber man sieht es halt nicht.
00:17:46: Ja, voll.
00:17:47: Und deswegen sind wir da auch nicht benachteiligt.
00:17:49: Ja, okay.
00:17:50: So.
00:17:52: Das ist Papas ganzer Stolz.
00:17:55: Mit wahren Geschichten aus feministischer Perspektive.
00:18:00: (Musik)
00:18:02: Freitag, 13. September 1918, Boston.
00:18:18: Rose steht am Fenster, ihre Arme auf die Fensterbank gestützt.
00:18:23: Sie staut noch draußen auf die Straße, nichts zu sehen.
00:18:27: Warum dauert das so lange?
00:18:29: Ihre Hände verkrampfen sich.
00:18:31: Als eine erneute Wehe ihren Körper überrollt.
00:18:34: Ihre Körpermitte fühlt sich an, als würde sie zerreißen.
00:18:38: Ein leises Stön entfernt ihr.
00:18:41: Sie spürt eine Hand auf ihrer Schulter, die Krankenschwester.
00:18:44: Sie wartet bis Rose' Körper sich wieder entspannt
00:18:48: und führt sie dann langsam weg vom Fenster.
00:18:50: "Ich habe schon alles vorbereitet", sagt sie.
00:18:53: "Dr. Got wird gleich da sein. Machen Sie sich keine Sorgen."
00:18:57: Rose nickt, doch bevor sie antworten kann, kommt die nächste Wehe.
00:19:01: Rose' Hände kallen sich in den Arm der Krankenschwester.
00:19:05: Sie ist so beschäftigt mit der Intensität der Wehe,
00:19:08: dass sie nicht bemerkt, dass die Krankenschwester nervös auf die Uhr schaut.
00:19:12: Die Wehen kommen in einem Abstand von 90 Sekunden.
00:19:15: Wenn Dr. Got nicht bald kommen wird, gibt es wohl einen Grund zur Sorge.
00:19:20: So, können wir kurz darüber reden,
00:19:24: dass du zwei Podcast-Folgen recherchiert hast
00:19:27: mit einer Geburt anfangen? - Ja, schon irgendwie funny.
00:19:31: Die habe ich zuerst recherchiert. - Ich find das cool, aber ...
00:19:34: Ich fand es aber auch cool.
00:19:36: Eigentlich ist es super, weil das irgendwie trotzdem
00:19:39: immer so ein bisschen mein Mami-Thema mitverbindet.
00:19:42: Kann ich auch mal so was sagen.
00:19:44: Geburt und so, das kommt gar nicht in der Literatur vor.
00:19:48: Es wird ja nie beschrieben und so.
00:19:50: Deswegen find ich es voll cool. Es ist ja komplett female-gaze.
00:19:54: Krass, ich bin jetzt auf jeden Fall nervös.
00:19:56: Ja, ja.
00:19:58: Ich glaub, die Krankenschwester auch.
00:20:00: Ich fand es krass, weil ich habe nicht gefunden,
00:20:02: wie die Krankenschwester heißt.
00:20:05: Wir wissen, dass der Arzt Dr. Got heißt,
00:20:07: aber die Krankenschwester, die ist die Hauptaktionistin
00:20:10: in diesem Szenario, und trotzdem, nobody knows her name.
00:20:14: Nicht wichtig genug, wie eine Frau heißt.
00:20:16: Wir haben also den 13. September 1918 ...
00:20:19: Sag dir die Zahl was ... - Ein Freitag der 13.
00:20:22: Ja, das auch.
00:20:23: Ja, 1918 ... - Weimarer Republik.
00:20:25: Hm ... war doch 1918 noch nicht.
00:20:29: Keine Ahnung, also ja, wahrscheinlich auch.
00:20:31: Aber vor allem ist da noch der erste Weltkrieg.
00:20:34: Der geht noch bis November.
00:20:36: Ja, also Freitag der 13. verheißt ja schon mal nichts Gutes.
00:20:40: Genau, und wir haben sowohl den ersten Weltkrieg aus
00:20:43: als auch die spanische Grippe.
00:20:45: Und das ist die verheerendste Pandemie der Menschheitsgeschichte gewesen.
00:20:49: Und auch der Grund, warum unser Dr. Got
00:20:52: sich nicht auf den Weg macht.
00:20:54: Ich hab dir ein Bild mitgebracht von den Krankenlagern
00:20:57: der spanischen Grippe. Da kannst du mal reingucken.
00:21:00: To be honest, ich finde, es sieht irgendwie übelst aus wie so ein AI-Bild.
00:21:04: Also, ich weiß nicht, wie ich jetzt darauf komme,
00:21:07: aber vielleicht war alles so ...
00:21:09: Es ist halt so ein altes Bild irgendwie, aber es sieht auch so ...
00:21:12: Weich, vielleicht ist da einfach ein Weichmaler oben drüber.
00:21:16: Auf jeden Fall ist das so, das ist so eine riesige Halle.
00:21:19: Also, wirklich sehr groß. Und da sind eben diese Feldbetten, sind das.
00:21:24: Ganz, ganz viele. Und auf den Feldbetten liegen ganz viele Männer.
00:21:29: Also, ich sehe jetzt spontan wenige Frauen.
00:21:33: Außer vielleicht mussten die alle ihre Haare abrasieren oder so, weiß ich nicht.
00:21:37: Ich sehe hier eine Krankenschwester, glaub ich.
00:21:40: Und hinten noch eine Krankenschwester.
00:21:42: Ja, also, da sind auf jeden Fall sehr viele Leute.
00:21:46: Und das sieht ... Also, das sieht nicht gut aus.
00:21:49: Es gibt mir direkt Corona-Vibes. - Ja.
00:21:52: Ist ja klar. - Ja, ja.
00:21:53: Wobei, bei Corona war es ja eben ganz anders.
00:21:56: Da durfte man ja eben nicht, dass alle gemeinsam da waren, sondern ...
00:22:00: Oder vielleicht gibt es nur auch eher so Kriegsgefangenen
00:22:03: oder nicht Gefangenen, sondern Kriegslager.
00:22:05: Veteran, ja. - Hab ich jetzt auch gerade gedacht.
00:22:08: Ja, voll.
00:22:09: Okay.
00:22:11: Aber auf jeden Fall, also, man sieht auch, dass die ...
00:22:15: Also, man sieht, wenn man ranscrollt,
00:22:17: dass man da nicht mehr ranscrollt, dann muss man das nicht ranscrollen.
00:22:21: Und genau das war halt so, dass die einfach so ...
00:22:23: Die hatten halt nicht genug ... Also, die hatten nicht genug.
00:22:27: Das war ja noch schlimmer als hier.
00:22:29: Also, deshalb, ich glaube, in anderen Ländern, in denen ...
00:22:32: Also, zum Beispiel in Italien oder so, in die Pandemie hat auch so ...
00:22:36: Also, Covid auch so richtig krass ausgebrochen ist.
00:22:39: Ich glaub, da war das schon ähnlich.
00:22:41: Dass einfach so riesige Räume halt ...
00:22:43: Also, Schulen zum Beispiel auch irgendwie ...
00:22:46: Geschätzt zwei von drei Bürgern waren erkrankt.
00:22:49: Krass. - Und weltweit sind ab Herbst, 1918,
00:22:52: 20 bis 50 Millionen Menschen gestorben.
00:22:55: Und je nach Quelle sogar 100 Millionen.
00:22:57: Krass. - Und tatsächlich war auch Boston zu der Zeit
00:23:01: eine der Städte, die es am schlimmsten erwischt hatte.
00:23:04: Also, es war halt wirklich, wirklich richtig, richtig, richtig dolle Schlimme.
00:23:08: Symptome der spanischen Krippe waren ...
00:23:10: Scheiße. - ... hohes Fieberschüttelfrost,
00:23:12: Hustenkopf und Liederschmerzen.
00:23:14: In schweren Fällen, Lungenentzündungen
00:23:16: und bleu-lich-schwarze Verfärbung der Haut.
00:23:19: Und Betroffen waren vor allem ... - Aber war nicht ...
00:23:21: Darf ich fragen, weißt du was?
00:23:23: Weil ich hab irgendwie, ich dachte irgendwie,
00:23:25: dass die spanische Krippe auch derselbe Erreger war, wie Covid.
00:23:28: Saas, Kof, irgendwas. Oder war es ein anderer Erreger, weißt du das?
00:23:32: Weiß ich nicht, warte mal, das kann ich nachgucken.
00:23:34: Weil das sind ja auch ultraähnliche Symptome.
00:23:37: Ja, das hab ich jetzt gerade auch gedacht, warte mal.
00:23:40: Nee, die spanische Krippe ist tatsächlich durch ein Influencer-Virus
00:23:44: nicht geworden, also es ist nicht. - Ah, okay.
00:23:46: Ja, gut, Influencer.
00:23:47: Und Saas hatten ja auch ähnliche Symptome.
00:23:50: Aber der Unterschied zu Covid war,
00:23:52: dass Betroffen vor allem Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren waren.
00:23:56: Und die Frage, warum da so viele Männer zu sehen waren,
00:23:59: viele Soldaten, die im Krieg überlebt haben,
00:24:01: starben dann tatsächlich genau an der spanischen Krippe wahrscheinlich,
00:24:04: weil das Immunsystem dann trotzdem auch geschwächt war
00:24:07: von der Kriegserfahrung. - Ah, okay.
00:24:09: Das heißt, Frauen sind auch weniger wahrscheinlich krank geworden einfach.
00:24:13: Ja, also vor allem sind halt viele Soldaten krank geworden.
00:24:16: Und der Tod trat meistens nach acht bis neun Tagen ein,
00:24:20: also schon relativ bald auch. - Wow.
00:24:22: Und ...
00:24:24: Im August 1918 wurde der erste Fall in Boston dokumentiert,
00:24:29: und der wurde wahrscheinlich auch durch Marine Soldaten eingesteppt.
00:24:33: Der Krieg war auch Grund dafür, dass sich die spanische Krippe so krass aus.
00:24:37: Ja, das wäre nämlich meine nächste Vermutung gewesen.
00:24:40: Wahrscheinlich waren halt die Erreger da irgendwo auch in diesen Kriegsgebieten.
00:24:43: Vor allem unter Kriegsvateranen oder Soldaten und so verbreitet.
00:24:47: Krass, okay. - Ja.
00:24:49: Tatsächlich, was ich aber sehr fanny fand, war, dass die kompletten ...
00:24:52: Also es war 1918, also vor 100 Jahren,
00:24:55: die ganzen Maßnahmen zur Pandemieeindämmung waren einfach eins zu eins die gleichen.
00:24:59: Also die haben halt mit Fiebermittel ... - Mhm.
00:25:02: dass irgendwie versucht, das Fieber zu senken,
00:25:05: die haben den Vierflüssigkeit gegeben,
00:25:07: die haben Kirchen zugemacht, Schulen zugemacht,
00:25:09: die haben also öffentliche Versammlungen zu was alles geschlossen.
00:25:13: Also man durfte halt quasi nicht mehr sich draußen aushalten.
00:25:16: Es gab Maskenpflicht, es waren einfach eins zu eins dieselben Maßnahmen
00:25:19: wie vor 100 Jahren, wirklich.
00:25:21: Und das Einzige, was wir dieses Jahr nicht mehr gemacht haben,
00:25:24: was die dort noch vereinzelt gemacht haben, war,
00:25:26: oder nicht dieses Jahr, aber halt vor ein paar Jahren,
00:25:29: war Adalas. - Bei Corona.
00:25:30: Ja, also die haben halt Adalas noch gemacht wie nicht.
00:25:33: Und wir haben halt schon Beatmungsgeräte, das hatten die halt noch nicht.
00:25:37: Aber so ansonsten ... - Ja, voll.
00:25:39: Ja, okay.
00:25:40: Krass, okay.
00:25:42: Das ist die Zeit, in der wir uns gerade befinden.
00:25:44: Und eben auch der Grund, warum dieser Arzt auf sich warten lässt,
00:25:48: weil der einfach superkarst eingespannt ist
00:25:50: mit diesen ganzen barnischen Krippenerkrankten.
00:25:54: Und das Ding ist halt auch die Krankenschwester,
00:25:57: die ist halt eigentlich, ist die Geburtshelferin so,
00:26:00: aber auch sie ist eigentlich ... Also sie ist einfach super eingespannt,
00:26:03: eigentlich auch die ganze Zeit.
00:26:05: Und der einzige Grund, dass sie bei Rose ist,
00:26:07: zu dem Zeitpunkt ist, dass Rose einfach reich ist
00:26:09: und sich das leisten kann.
00:26:11: Okay.
00:26:12: Ja, lustig, weil das hat mir auch direkt solche Weibs gegeben,
00:26:15: muss ich sagen.
00:26:16: Die Pandemie trifft in Boston wirklich super viele Menschen,
00:26:19: aber Rose und ihr Mann Joey bleiben verschont
00:26:22: beziehungsweise die ganze Familie.
00:26:23: Und ich denke, das hat auch was damit zu tun,
00:26:25: dass sie eben halt reich waren und sich halt auch ...
00:26:28: Also ich meine, das hat man ja auch bei uns gesehen,
00:26:31: in der Covid-Pandemie, dass sich das ja eher ausgebreitet hat
00:26:34: in ärmeren Gebieten, wo die Menschen auch mehr aufeinander hocken,
00:26:37: weniger Hygiene haben und generell auch nicht ganz so gesund sind
00:26:40: und einfach nur in den Einführungszeichen.
00:26:42: Wir sind also gerade genau in dieser Zeit,
00:26:45: wir befinden uns im Ersten Weltkrieg
00:26:47: und der schlimmsten Pandemie der Menschheitsgeschichte.
00:26:49: Und genau an diesem Tag, an dem die Pandemie in Boston so schlimm ist,
00:26:54: bekommt die Schwangere Rose Kennedy wehnen.
00:26:59: Kennedy!
00:27:01: (Lachen)
00:27:02: Und dass diese Krankenschwester bei Rose Kennedy ist,
00:27:07: liegt auch nur einzig und allein daran,
00:27:10: dass Rose Kennedy reich ist und eben sich das leisten kann.
00:27:14: Ja, klar. - Genau.
00:27:15: Ich denke, dass Familie Kennedy reich ist,
00:27:18: ist auch ein Mitgrund, warum sie von der Pandemie verschont bleiben.
00:27:21: Obwohl sie quasi sie und ihr Mann in dem Alter sind,
00:27:24: die zur Zielgruppe des Virus gehören.
00:27:27: (Lachen)
00:27:28: Kann man ja auch mal so ausdrücken, hier.
00:27:32: Unakademisiert.
00:27:33: (Lachen)
00:27:34: (Lachen)
00:27:35: (Er seufzt.)
00:27:36: (Lachen)
00:27:38: Das ist ja auch ein Influencer-Virus.
00:27:40: (Lachen)
00:27:41: Rose ist nicht zum ersten Mal schwanger.
00:27:44: Sie hat bereits zwei Söhne.
00:27:46: Joseph Patrick Kennedy und John Fitzgerald Kennedy.
00:27:51: Sagt ihr einer von den Namen irgendwas?
00:27:53: John F. Kennedy.
00:27:56: Genau, JFK. - Sagt mir etwas.
00:27:58: Der war amerikanischer Präsident 1961 bis 1963.
00:28:02: Aus dem Leib von Rose kam dieser Mann aus demselben,
00:28:07: aus dem heute noch ein Kind kommen soll.
00:28:09: (Lachen)
00:28:10: Genau, das war der ...
00:28:12: war also der Zweitgeborene.
00:28:14: Familie Kennedy ist wohlhabend, hab ich ja schon gesagt.
00:28:17: Sowohl Rose als auch ihr Mann stammen auch aus eher wohlhabenden Familien.
00:28:21: Rose stammt aus der Mittelschicht, ihr Vater ist Pastor.
00:28:24: Und Joyce Vater ist Geschäfts- und Politiker.
00:28:27: Das heißt, die Familie hat tatsächlich auch schon
00:28:29: so einen politischen Hintergrund, also einen politischen Background.
00:28:32: Auch Rose Vater ist irgendwie so ein bisschen politisch tätig.
00:28:35: Also zumindest immerhin und wieder so in so einem ...
00:28:39: Wie heißt das so, wenn man so für so eine Stadt
00:28:42: irgendwie so in diesem Rahmen, so gemeinderatmäßig sozusagen?
00:28:45: Ja, okay. - Genau.
00:28:46: Und Joyce machte 1912 seinen Abschluss in Harbert
00:28:50: und nahm eine Stelle als staatlicher Bankprüfer an.
00:28:53: 1914, also er lernte Rose Kennen schon bevor sein Abschluss machte,
00:28:57: die waren auch schon länger zusammen.
00:28:59: Tatsächlich hat auch der Vater von Rose
00:29:01: eigentlich immer eher so ein Problem mit der Beziehung
00:29:03: von den beiden gehabt.
00:29:04: Aber am Ende 1914 heiraten sie dann doch.
00:29:07: Und da hab ich sie tatsächlich auch wieder ein Foto mitgebracht
00:29:10: von den beiden. - Cool.
00:29:12: Ja, das gute Bereich in Menschen ist natürlich,
00:29:14: dass man immer Fotos findet. - Ja, das waren unzählige Fotos.
00:29:17: Ich stütze mich übrigens auf ein Buch.
00:29:20: Das Buch heißt "The Hidden Kennedy" und ist von ...
00:29:24: Warte mal ...
00:29:25: Kate Clifford Larsen.
00:29:27: Das gibt's leider nur auf Englisch,
00:29:29: aber es ist ein sehr spannendes Buch, also ich kann's auch empfehlen.
00:29:33: Da lernt man dann auch wirklich viel über den Background
00:29:35: und über die Familie und über die einzelnen Familienmitglieder
00:29:38: und was so der Charakter von denen ist und so.
00:29:40: Und auf jeden Fall ... - Mhm.
00:29:41: Genau, kannst du jetzt ja mal beschreiben,
00:29:43: was du siehst, wie das Hochzeitsfoto von Joey und Rose.
00:29:48: Ja, also man sieht hier, das ist 1914, also vier Jahre vorher.
00:29:53: Und das ist ein schwarz-weiß Bild.
00:29:55: Darauf zu sehen ist eben das Brautpaar.
00:29:58: Und natürlich haben die auch so altertümlichere Sachen an.
00:30:01: Also er trägt so ein ...
00:30:02: Ich weiß gar nicht, wie man das nennt. - Smoking?
00:30:05: Ja.
00:30:06: Und also quasi diese Anzugsjacken, die halt hinten beim Arsch
00:30:10: noch mal so wie so zwei Grashüpferzübte haben.
00:30:13: Und ...
00:30:14: (Lachen)
00:30:15: Und trägt aus so einem Zylinder.
00:30:18: Und sie trägt auch also ein Kleid, das ist eher anliegend,
00:30:22: würde ich sagen, mit ganz viel Spitze.
00:30:25: Und irgendwie hat sie so eine Art Hut auf
00:30:28: und da ist dann hinten der Schleier.
00:30:30: Und ich glaube, der Schleier ist ewig lang,
00:30:32: weil sie hat den auch noch in der Hand.
00:30:34: Der ist so groß wie sie. - Ja.
00:30:37: Der ist wirklich richtig groß, dieser Blumenstrauß.
00:30:40: Meine Güte.
00:30:41: Da greife ich mich auch, ob ihr Kleid nicht dreckig geht.
00:30:44: Naja, ist ja auch egal.
00:30:45: Und sie sieht irgendwie lustigerweise ...
00:30:48: Also sie sieht voll sympathisch aus.
00:30:51: Sie hat wie so diese Pausbäckchen,
00:30:53: die es auch in unserer portugiesischen Familie gibt,
00:30:56: die ich auch geerbt habe.
00:30:57: Weißt du, was ich meine?
00:30:59: Sie hat jetzt nicht so richtige Pausbäckchen,
00:31:02: also es könnte auch so ein Bild von unserer Oma sein, somehow.
00:31:05: Sie ist auch ... - Ich glaube, es ist eine ganz süße gewesen.
00:31:08: Also ich glaube ... - Ja, voll.
00:31:10: Ich glaube, er hat sie ein bisschen kaputt gemacht,
00:31:12: dann schlussendlich.
00:31:13: Aber voll ...
00:31:15: Was es mir gerade auch noch auffällt, ist,
00:31:17: dass sie eine Bibel in der Hand hat.
00:31:19: Das habe ich davor noch nicht gesehen, aber ...
00:31:21: Oder vielleicht ein Gotteslob. - Stimmt, ein Gotteslob.
00:31:24: Weil sie auch Pastor, Tochter ist dann mit auf diesem Bild.
00:31:27: Noch kurz zu ihr, weil ich habe diese Infos über sie,
00:31:30: weil ich dieses Buch gelesen habe.
00:31:32: Was ich irgendwie voll spannend fand, war,
00:31:34: dass sie auch sehr wissbegierig war und sehr Bock hatte auf das Leben
00:31:38: und auf das Leben als freie Frau.
00:31:40: Was schwierig für sie war, weil sie streng, gläubig oder katholisch
00:31:44: erzogen wurde.
00:31:45: Und sie wollte zum Beispiel auch studieren.
00:31:48: Ihr Vater hat ihr das dann nicht erlaubt,
00:31:50: an der Wellsley College zu studieren,
00:31:52: sondern sie musste dann auf eine katholische Schule gehen.
00:31:55: Genau, aber das finde ich auch sehr spannend, weil ...
00:31:58: Ja, das auch so in ihren Jahren der Mutterschaft immer wieder so
00:32:03: durchdringt, dass sie eigentlich Bock auf ein bisschen mehr hat,
00:32:06: als nur Mutter zu sein.
00:32:08: Aber dazu kommen wir dann später noch mal. - Ja.
00:32:10: Noch im selben Jahr, in dem Joey und Rose heiraten,
00:32:14: wird Joey zum Vorstand der Columbia Trust Company gewählt
00:32:18: und war damit der jüngste Bankdirektor in den USA.
00:32:22: Ähm, also ...
00:32:23: Der scheint irgendwie schon ... - Vor allem 1914 auch.
00:32:28: Ach so, er wird da reingewältigt. - Ja.
00:32:30: Also, der scheint schon relativ ...
00:32:33: gut in seinem Job gewesen zu sein, sagen wir mal so.
00:32:37: Oder zumindest wusste er, wie man Regeln gut umgehen kann.
00:32:40: Ähm, er verdiente 1917 schon ein Jahresgehalt von 10.000 US-Dollern,
00:32:45: was umgerechnet auf die heutige Zeit,
00:32:47: ungefähr ein Jahresgehalt von 250.000 US-Dollern wäre also
00:32:51: circa 230.000 Euro.
00:32:53: Also ... - Das ist so ganz gut.
00:32:55: Wie viel sind das ungefähr 20.000 Euro im Monat oder so?
00:32:59: Ein bisschen mehr sogar.
00:33:00: Ja, also ... - Halt ...
00:33:02: Man gilt als Reich, sobald man 3.500 Euro ...
00:33:05: äh, im Monat verdient als Single.
00:33:08: Das heißt, er ist auf jeden Fall sehr gutreich.
00:33:11: Genau, und er hat halt auch noch zusätzlich logischerweise
00:33:14: an der Börse investiert und 1920, also zwei Jahre später,
00:33:17: als wir jetzt gerade sind, gehört er zu den reichsten Männern in den USA.
00:33:21: Krass. - Das heißt, die sind halt einfach ...
00:33:24: Da steckt viel Geld dahinter und Rose kann sich halt easy-peasy
00:33:27: diese Krankenschwester leisten.
00:33:30: Oder sogar mehrere, die sie während der kompletten Schwangerschaft betreuen.
00:33:34: Und das, obwohl halt eine Pandemie herrscht.
00:33:37: Also, die Krankenschwester am anderen Ende der ...
00:33:40: der Fahne auch gebraucht werden. - Statt gebraucht werden.
00:33:43: Ja. - Mhm.
00:33:44: Die Schwangerschaft verlief tatsächlich komplett komplikationslos.
00:33:49: Und das Rose-Einer-Haus-Geburt-Plan
00:33:51: ist auch in der Zeit sehr normal.
00:33:53: Das macht ihr auch keine Sorgen oder sonst irgendwas.
00:33:55: Für sie ist es auch nicht schlimm, dass jetzt Pandemie ist
00:33:58: und sie nicht ins Krankenhaus gehen kann oder sonst was.
00:34:01: Aber Hausgeburten hat man damals gemacht,
00:34:03: und sie hatte auch bei beiden Kindern schon eine Hausgeburt.
00:34:06: Das heißt, eigentlich war sie mega entspannt an diesem Tag,
00:34:09: weil sie eigentlich auch schon wusste, was so auf sie zukommt.
00:34:12: Was glaubst du, ist Joey da gewesen?
00:34:14: Nee, also, es hat sich ja gerade gar nicht so angehört,
00:34:17: als ob er da wäre.
00:34:18: Also, ich glaube, sie ist da mit der Schwester.
00:34:20: Ich glaube, das ist ...
00:34:22: Also, der Vater, der eigentlich auch nicht reingeht,
00:34:24: er, eh das Kind geboren wurde, also, er kann dann quasi das geborene Kind
00:34:28: kann er dann halten, aber sonst ist er da, glaub ich, nicht drin.
00:34:31: Also, ich erinnere mich auch an eine Doku über Queen Elizabeth,
00:34:35: als sie ein Kind bekommen hat.
00:34:37: Vielleicht war es aber auch nicht Queen Elizabeth,
00:34:39: aber ich glaube, dass sie das war, wo er dann trotzdem reingegangen ist,
00:34:43: obwohl das halt eigentlich quasi man das nicht macht.
00:34:46: Die Netflix-Serie, glaub ich, bestimmt, oder?
00:34:48: Ja, ich glaub schon. - Aber die ist tatsächlich auch
00:34:51: relativ korrekt. - Nicht ganz korrekt.
00:34:53: Aber ... - Ach so, ah, ja, okay.
00:34:56: Also, nicht zu hundert ...
00:34:57: Das ist ja eine Serie schon klar, aber sie haben sich schon sehr
00:35:00: auf der Biografie der Queen gestützt.
00:35:02: Tatsächlich ist es aber nicht nur so, dass er jetzt nicht vor Ort,
00:35:05: dass er nicht vor Ort im selben Raum ist,
00:35:08: sondern er ist einfach nicht da, also erst in New York auf Geschäftsreise
00:35:11: und ist einfach halt wirklich da. - Ach, krass, okay.
00:35:14: Das heißt, Rose ist allein mit der Krankenschwester und ihren zwei Söhnen
00:35:17: und den Kindermädchen von den Söhnen.
00:35:19: Und dann ist es auch so, dass er sich, obwohl er schon lange gerufen wurde,
00:35:23: tatsächlich habe ich erst mal noch ge- Google't,
00:35:25: ob die schon Telefone hatten damals und hatten sie tatsächlich.
00:35:28: Aber also, man kann davon ausgehen, dass die Kennedys auch ein Telefon hatten,
00:35:32: weil die eben so steinreich waren.
00:35:34: Aber normalerweise schickte man da so Booten.
00:35:37: Ich weiß auch nicht genau, wie das funktioniert hat,
00:35:39: ob die dann immer irgendwie ...
00:35:41: Ich hab mir vorgestellt, dass da so Booten in der Straße rumstehen
00:35:44: und dann so, hey, du Boote, ich schick dich jetzt solche Kanaden,
00:35:47: wie das geht.
00:35:48: Und dann, wenn die Booten hatten ... - Ja, die, aber so generell.
00:35:51: Genau. - Richtig.
00:35:53: Nachdem wurde geschickt und ich glaube,
00:35:55: nachdem wurde auch mehrfach geschickt und der kam einfach nicht.
00:35:58: Dass Dr. Good so lange auf sich warten lässt,
00:36:00: versetzt die Krankenschwester nicht ohne Grund in Panik.
00:36:03: Sie selbst ist ausgebildete Geburtshelferin.
00:36:06: Sie weiß, wie man ein Baby auf die Welt bringt.
00:36:08: Sie hat keine Angst davor, es nicht alleine zu schaffen.
00:36:11: Das Problem ist, dass sie es nicht darf.
00:36:13: Krankenschwestern dürfen zu dieser Zeit kein Baby zur Welt bringen,
00:36:17: wenn kein Arzt anwesend ist.
00:36:18: Tun Sie es doch, und Mutter oder Kind sterben.
00:36:21: gilt die Krankenschwester als schuldig.
00:36:23: Müttersterblichkeit damals lag bei 0,6 bis 0,9 Prozent,
00:36:28: was wenig klingt, aber heute sind es 0,005 Prozent.
00:36:31: Das heißt ... - Ja, ja.
00:36:33: Die Kindersterblichkeit bei der Geburt lag bei 3 bis 5 Prozent.
00:36:37: Und heute sind es 0,4 bis 0,6 Prozent.
00:36:39: Also, auch da hat sich das schon ...
00:36:41: Also, es war schon nicht unwahrscheinlich,
00:36:44: dass etwas passiert so.
00:36:46: Die Wehen werden immer stärker,
00:36:48: und dann bekommt Rose den Drang zu pressen.
00:36:50: An dieser Stelle möchte ich eine Trigger-Warnung aussprechen.
00:36:54: In der folgenden Erzählung wird es um Gewalt unter der Geburt gehen.
00:36:58: Falls jemand zuhört, der schwanger ist oder kurz vor der Geburt steht,
00:37:01: oder selbst Erfahrung mit Gewalt unter der Geburt gemacht hat,
00:37:05: und euch das Thema triggert, überspringt bitte folgendem Part.
00:37:08: Vor allem, wenn ihr schwanger seid und kurz vor der Geburt hört,
00:37:12: hört euch das nicht an.
00:37:14: Wenn ihr euch das Gefühl habt, wenn es euer erstes Kind ist,
00:37:17: das verunsichert euch nur.
00:37:19: Lass es einfach.
00:37:20: Macht es bitte einfach nicht. Hört es euch einfach nicht an.
00:37:23: Wir blenden euch gleich ein, ab wann ihr weiterhören könnt.
00:37:27: Ja.
00:37:28: Das Baby will kommen, aber der Arzt ist noch nicht da.
00:37:31: Die Krankenschwester sagt zu Rose,
00:37:33: sie soll den Drang zurückhalten und nicht pressen.
00:37:36: Rose wimmert vor Schmerzen, aber sie bleibt tapfer.
00:37:39: Sie versucht alles so zu tun, wie die Krankenschwester sagt.
00:37:42: Und die Krankenschwester arbeitet gegen sie.
00:37:44: Man kann diesen Drang zu pressen, nicht mehr zurückhalten irgendwann.
00:37:48: Also, das ist wirklich so, dass der Körper sich komplett zusammenkampft.
00:37:52: Das ist so ein ähnliches Gefühl wie beim Übergeben.
00:37:55: Das ist auch so, dass man als dass die Muskeln vom Körper alleine arbeiten
00:37:59: und bei einer Geburt, das ist wirklich auch so die Muskeln,
00:38:02: arbeiten einfach von alleine und pressen von alleine.
00:38:05: Man kann halt irgendwann an einem bestimmten Punkt nichts mehr machen.
00:38:09: Wenn man kaum noch kämpfen kann, hält sie ihre Beine zusammen
00:38:13: und versucht so, die Geburt noch weiter aufzuhalten.
00:38:16: Rose windet sich vor Schmerzen, sie ist blass und zittert,
00:38:19: drehen ström über ihre Wange.
00:38:20: Ihre Haare sind nass vom Schweiß.
00:38:22: Alles, woran die Krankenschwester denken kann,
00:38:25: ist, die Geburt irgendwie aufzuhalten.
00:38:27: Sie lässt wieder und wieder nach Dr. Guth rufen
00:38:29: und verliert immer mehr die Hoffnung, dass er rechtzeitig kommen wird.
00:38:33: Sie weiß, welche Zustände aufgrund der Pandemie herrschen.
00:38:36: Auch sie arbeitet Tag und Nacht,
00:38:38: dann Rose hatte sich gerade wieder unter den Wehen zusammengekrampft,
00:38:42: sah sie den Kopf des Babys, panik durchströmte ihren Körper.
00:38:46: Sie konnte dieses Baby nicht auf die Welt bringen.
00:38:49: Sie musste warten, bis der Doktor da war.
00:38:52: Sie legte ihre Hände auf den Kopf des Babys
00:38:54: und drückte ihn wieder zurück in den Geburtskanal.
00:38:57: Oh.
00:38:58: Rose ... - Ich hab damit gerechnet, dass das passiert, aber ...
00:39:02: Ich hab das geschrieben und mir kommen grad drehen.
00:39:06: Obwohl ich das geschrieben habe
00:39:07: und obwohl ich ganz genau wusste, was passiert.
00:39:10: Rose qualvolle Schmerzensschreie
00:39:12: werden sie wahrscheinlich noch ein Leben lang begleiten.
00:39:15: So bleibt sie stehen, den Kopf des Babys
00:39:17: zurück in den Bauch von Rose drückend, bis der Arzt kommt.
00:39:21: Nach Endlosen zwei Stunden, in denen sie den Kopf des Babys
00:39:25: immer wieder zurück in den Bauch gedrückt hat,
00:39:28: kommt der Arzt ein. - Zwei Stunden.
00:39:30: (Sie stöhnt.)
00:39:31: Die Krankenschwester lässt erleichtert den Kopf des Babys los.
00:39:35: 13. September 1918 um 7 Uhr abends
00:39:38: kommt Rose erste Tochter auf die Welt.
00:39:40: Rose Marie Kennedy.
00:39:41: Finden sie Rosie, weil sie von allen Rosie geantwortet wurde.
00:39:45: Was denkst du, was passiert, wenn ein Baby im Bauch gehalten wird?
00:39:51: Denkst du, es ist gut fürs Baby?
00:39:53: Abgesehen davon, dass es für die Mutter scheiße ist.
00:39:56: Nee, absolut nicht.
00:39:57: Ich kann mir auch vorstellen, dass ...
00:39:59: Du hast ja dann quasi zwei Kräfte, die dich quetschen.
00:40:04: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ...
00:40:06: Es kommt ja auch, dass der Kopf zuerst raus.
00:40:09: Ich glaube, der Kopf ist das Gehirn,
00:40:11: das ist ja auch noch nicht geschützt, soweit ich weiß.
00:40:14: Sie muss ja entweder ganz tief reingreifen
00:40:16: und an den Schultern zurückdrücken
00:40:18: oder da werden halt bleibende Schäden davon.
00:40:21: Also ...
00:40:22: Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es gar keine ...
00:40:25: Also mindestens irgendwie ...
00:40:26: Weil du kannst dir das gar nicht vorstellen.
00:40:29: Von innen, die Beine werden ja die ganze Zeit
00:40:32: auch irgendwie gequetscht.
00:40:33: Und von außen wird dann ...
00:40:35: Also, da müssen irgendwelche Schäden sein.
00:40:37: Also ...
00:40:38: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ...
00:40:40: Es ist ja schon wunder, dass das Kind überlebt hat.
00:40:43: Ja, auf jeden Fall.
00:40:45: Das dachte ich auch, dass das Kind das überhaupt überlebt hat.
00:40:48: Das Ding ist, das ist so mit der Fontanelle.
00:40:51: Also die Schädeldecken von Babys, die haben eine Lücke dazwischen.
00:40:56: Das ist nämlich genau für die Geburt,
00:40:58: damit die sich übereinanderschieben können
00:41:01: und dann wieder rauskommen.
00:41:02: Und wenn das Baby dann rauskommt,
00:41:04: dann schieben sich die Schädeldecken wieder auseinander.
00:41:08: Und dann wächst das Schädel zusammen
00:41:10: innerhalb der ersten Lebensmonate, glaub ich sogar.
00:41:12: Das dauert eine Weile.
00:41:14: Und genau, also wenn die da dagegen drückt,
00:41:16: dann drückt sie da auf jeden Fall gegen sehr weiche Stellen des Kopfes
00:41:20: und auch gegen das Gehirn, würde ich sagen, auf jeden Fall.
00:41:24: Und das Baby führt bei einem Baby zum Sauerstoffmangel.
00:41:27: Und eben auch dieser Sauerstoffmangel
00:41:29: kann bei neurologischen Schäden oder dem Tod führen.
00:41:32: Und generell ist es halt einfach eine heftige Stressreaktion
00:41:36: für das Baby.
00:41:37: Also das muss einfach unter wahnsinnigem Stress führen und stehen.
00:41:41: Und diese schlechte Versorgung kann halt zu Entwicklungsstörungen
00:41:45: und Gesundheitsschäden führen oder eben zum Tod.
00:41:48: Und für die Mutter sind es halt einfach extreme Schmerzen,
00:41:51: weil die Wehen ja immer immer stärker werden.
00:41:53: Also der Körper versucht ja einfach, dieses Baby sozusagen loszuwerden.
00:41:57: Und dann schimpft der Körper auch immer mehr.
00:42:00: D.h. die Schmerzen werden auch noch immer größer.
00:42:02: Außerdem ist es halt auch noch eine krasse, große Erschöpfung.
00:42:06: Also der Kalorienverbrauch unter der Geburt liegt im Schnitt
00:42:09: bis zu bei 10.000 Kalorien,
00:42:11: weil es so viele Muskeln im Körper so anstrengend sind.
00:42:14: Mich wundert es, dass in der Erzählung,
00:42:16: dass sie einfach ohnmächtig geworden ist.
00:42:19: Weil das wäre für mich das wahrscheinlichste Szenario gewesen,
00:42:22: weil ich glaub, so richtig Schmerzmittel und so hatten die damals noch nicht.
00:42:26: Und dann war es auch so, dass sie dann auch noch mehr als 10.000 Kalorien
00:42:30: in der Erzählung haben.
00:42:32: Und dann war es auch so, dass sie dann noch mehr als 10.000 Kalorien
00:42:36: in der Erzählung haben.
00:42:37: Und dann war es auch so, dass sie dann noch mehr als 10.000 Kalorien
00:42:40: in der Erzählung haben.
00:42:42: Und dann war es auch so, dass sie dann noch mehr als 10.000 Kalorien
00:42:45: in der Erzählung haben.
00:42:47: Und dann war es auch so, dass sie dann noch mehr als 10.000 Kalorien
00:42:50: in der Erzählung haben.
00:42:52: Und dann war es auch so, dass sie dann noch mehr als 10.000 Kalorien
00:42:55: tatsächlich Nervenzusammenbruch gehabt und die Familie verlassen
00:42:59: und ist zurück zu ihrer Mutter gezogen.
00:43:02: Also, sie hat kurz vor der Geburt von ihrem nächsten Kind
00:43:05: irgendwie so ein Zusammenbruch gehabt.
00:43:07: Und der wird beschrieben, als offiziell war ihr das Leben
00:43:11: als Mutter einfach zu viel.
00:43:13: Und irgendwie war sie einfach quasi auch genervt davon,
00:43:16: dass Joey halt zu viel unterwegs ist und so.
00:43:19: Aber sie hatte halt mehrere Kinder, Mädchen,
00:43:23: sie hatte Haushaltshilfen und sie hatte einen Koch.
00:43:25: Also sie hat halt wirklich eigentlich ...
00:43:27: Sie hat halt nicht mal die Kinder betreuen müssen.
00:43:30: Sie hat einfach ein normales Leben,
00:43:32: wie vor den Kindern weiterführen können.
00:43:34: Deshalb halte ich persönlich es für wahrscheinlicher,
00:43:37: dass sie im Anbetracht der nahen Geburt ein bisschen Panik bekommen hat.
00:43:41: Weil ich weiß halt, dass ich ja auch, dass meine erste Geburt ja auch ...
00:43:45: Also, eine Gewalterfahrung war, natürlich nicht in diesem Ausmaß,
00:43:49: aber trotzdem eben keine schöne Erfahrung.
00:43:51: Ich hatte vor der zweiten Geburt wahnsinnige Panik.
00:43:54: Und dann war meine zweite Geburt dann super entspannt und schön.
00:43:57: War, bin ich dann eben wieder entspannt geworden.
00:44:01: So, also jetzt hab ich halt auch diesen Stress nicht mehr.
00:44:04: Da mehr hat sich zuversicht, dass eine Geburt schön sein kann.
00:44:07: Deshalb kann ich mir vorstellen, dass sie auch an PTBS gelitten hat.
00:44:11: Ihr Vater hat sie aber noch vor der Geburt
00:44:13: ihres vierten Kindes wieder zurückgeschickt,
00:44:16: weil er ist ja katholisch.
00:44:17: Es geht ja nicht, dass eine Frau seine Familie, ihre Familie verlässt.
00:44:21: Die Familie scheint aber alles gut zu sein.
00:44:24: Sie sieht auch total gesund aus.
00:44:26: Alle gehen davon aus, dass mit ihr alles gut ist.
00:44:28: Ich hab auch ein Bild von Rosie für dich mitgebracht.
00:44:31: Ah, wie schön. - Von Baby Rosie.
00:44:33: Böbü, das ist ja unfassbar süß.
00:44:36: Man sieht hier, das ist ein bisschen unscharf, das Bild.
00:44:39: Ja, die sind alle unscharf. - Aber man sieht hier ...
00:44:42: Die sind ja auch uralt, alle.
00:44:43: Das ist irgendwie wie so eine Wiese.
00:44:45: Rechts neben der Wiese ist wie so ein Weg.
00:44:48: Auf der Wiese sitzt eben ein kleines Baby.
00:44:51: Richtig süß, so eine Propen.
00:44:52: Ich glaub, die ist ja schon mindestens zehn Monate alt.
00:44:56: Ja, voll.
00:44:58: Die ist auch auf jeden Fall ganz gut genährt.
00:45:00: Sie hat diese Bäckchen auch vererbt bekommen.
00:45:03: Sie ist komplett in Weiß angezogen.
00:45:05: Sie sieht sehr gemütlich aus, was sie anhat,
00:45:09: weil sie so, als ob sie in ein Tuch gewickelt wäre.
00:45:12: Aber das Tuch ist so schön locker.
00:45:14: Es sieht echt richtig süß aus.
00:45:15: Sie sieht auch sehr glücklich aus.
00:45:18: Sie ist so am Lächeln.
00:45:20: Ja, voll wegen diesen Pausbäckchen und so.
00:45:23: Also die ganzen Kinder von den Kennedys,
00:45:26: die sehen einfach übelst krass aus wie Rose auch irgendwie.
00:45:31: Also ... - Süß.
00:45:32: Ja, die sind alle sehr ... - Süß.
00:45:35: Man sieht, dass sie Geschwister sind.
00:45:37: Ich hab auch ein Familienfoto, was hab ich nicht mitgegangen.
00:45:40: Mit Rosie scheint alles gut zu sein.
00:45:42: Rosie scheint ein ganz normales, gesundes Kind zu sein.
00:45:46: Und anscheinend oder vermeintlich hat die Geburt
00:45:49: von Rosie nichts ausgemacht.
00:45:51: Und dass die Familie es denkt, bleibt noch eine ganze Weile so.
00:45:54: Rose fällt zwar auf, dass sie später anfängt zu krabbeln,
00:45:58: laufen oder zu sprechen, als ihre älteren Brüder.
00:46:01: Aber sie denkt, dass es am Geschlecht und am Temperament liegt.
00:46:04: Dann, im Februar 1920,
00:46:06: wird Rose und Joyce viertes Kind
00:46:09: Kathleen Agnes Kennedy geboren.
00:46:11: Und es dauert nicht sehr lange,
00:46:13: da ist Kathleen auf dem selben Entwicklungsstand wie Rosie.
00:46:17: Und als dann auch noch das fünfte Kind,
00:46:19: Eunice, Mary Kennedy,
00:46:21: die im Juli 1921 geboren wird,
00:46:23: Rosie in ihrer Entwicklung überholt,
00:46:26: können Rose und Joyce nicht mehr so tun,
00:46:28: als wäre alles in Ordnung.
00:46:30: Die Aussicht, ein behindertes Kind zu haben,
00:46:33: macht den beiden große Angst.
00:46:35: Können wir ganz kurz darüber reden,
00:46:37: dass diese Frau innerhalb von drei Jahren drei Kinder geboren hat?
00:46:41: Ja, sie bekommt einfach noch ganz viele Kinder die ganze Zeit.
00:46:44: Also sie bekommt wirklich die ganze Zeit Kinder.
00:46:47: Ich hab ein Bild von den drei, auch für dich mitgebracht,
00:46:50: also von den drei Schwestern, Rose, Kathleen und Eunice.
00:46:53: Süß.
00:46:57: Oh mein Gott, ist das auch die Reihenfolge?
00:47:02: Also Rosie, Kathleen und Eunice? - Stimmt, ich sag immer Rose.
00:47:05: Man sieht auf jeden Fall ... - Rosie, Rosie.
00:47:08: Ich hab dir ein Bild von Rosie, Kathleen und Eunice mitgebracht.
00:47:12: Also die sehen sich wirklich unfassbar ähnlich.
00:47:16: Vor allem auch die zwei Kleineren so.
00:47:19: Aber ich find auch Rosie ...
00:47:21: Die sehen sich wirklich sehr ähnlich.
00:47:24: Und die haben auch alle so sehr ...
00:47:26: Ich glaub, Rosie hat so einen anderen Hut an,
00:47:28: aber ansonsten haben die auch so ziemlich dasselbe an.
00:47:31: Die haben alle wie so ein Mantel an, mit so oben ein bisschen Fell
00:47:35: und dann weiße Strumpfhosen und schwarze Schuhe.
00:47:38: Und die gucken halt alle so in die Kamera und Rosie grinst.
00:47:41: Also so wie sie auch schon auf dem anderen Bild,
00:47:44: hat sie auch so leicht gegrinst.
00:47:46: Weil die gucken eher so ...
00:47:48: Was will die von uns, die Alte?
00:47:50: Also irgendwie ist der Blick so ein bisschen so ...
00:47:53: Reicht jetzt auch irgendwie mit dem ...
00:47:55: Ich glaub, die gucken auch ein bisschen in die Sonne halt.
00:47:58: Ja, es sieht auch aus, als ob es sehr sonnig ist,
00:48:01: aber es ist wohl auch sehr kalt, weil es liegt auch ganz schön schuhe.
00:48:05: Oder dicker, wie viel Schnee da liegt.
00:48:07: Einfach in Boston so ein Meter Schnee.
00:48:09: Ja, voll, es ist komplett absurd.
00:48:11: Und das ist irgendwie auch ganz süß,
00:48:13: weil im Hintergrund ist halt wie so ein Haus.
00:48:16: Das sieht jetzt auf den ersten Blick gar nicht so aus
00:48:18: wie so ein krasses Haus von so megareichen Leuten,
00:48:21: sondern halt irgendwie wie so ein Landhaus oder so.
00:48:24: Aber ich kann mir vorstellen, dass wahrscheinlich damals
00:48:27: Häuser von reichen Leuten einfach genauso aussahnt.
00:48:30: Vor allem halt auch so ein Haus in so einer Stadt zu haben wie Boston.
00:48:33: Das ist halt, glaub ich, schon insane.
00:48:36: Also so ein riesiges Haus einfach. - Ja, safe, safe, safe.
00:48:39: Ja, Rose, also Rosie's Mutter,
00:48:41: wollte das eben nicht wahrhaben,
00:48:44: dass mit Rosie vielleicht irgendwas nicht stimmt.
00:48:47: Und ...
00:48:48: sie dachte sich, dass sie das vielleicht ausgleichen kann.
00:48:52: Damals war's so, das ist ja ...
00:48:54: Also, das ist ja quasi so ...
00:48:57: zur Zeit oder gerade so nach der Industrialisierung,
00:49:01: also so nachdem die begonnen hat, die hat ja so 100 Jahre vorher angefangen.
00:49:05: Und wo halt auch diese ganzen medizinischen Berufe großwärt wurden
00:49:09: und dass da viele Fortschritte gab und auch in der Psychologie und so.
00:49:13: Und die Zeit der "Scientific Motherhood".
00:49:16: Die auch sehr von der Eugenik geprägt ist.
00:49:19: Nämlich dem Gedanken, dass man Menschen durch Erziehung
00:49:23: und Disziplin und Gehorsam zu besseren Menschen machen kann.
00:49:27: Das heißt, sie hat quasi gedacht,
00:49:30: na ja, wenn sie jetzt einfach Rosie besonders fördert,
00:49:33: dann kann sie aus ihr vielleicht einfach noch ein ganz normales Kind machen.
00:49:37: So, weil das war quasi der wissenschaftliche Stand,
00:49:40: dass man durch bestimmte Erziehungsmethoden
00:49:43: die Menschen zu optimalen Menschen machen kann sozusagen.
00:49:47: Und ein Zitat von einem Nachbarn,
00:49:50: ich hab ein Zitat von einem Nachbarn mitgebracht,
00:49:52: er hat gesagt,
00:49:54: "Rose wasn't a bring them to the bottom kind of mother.
00:49:56: There was a reserve between Mrs. Kennedy and her children,
00:49:59: except for the case of Rose Marie,
00:50:01: who received most of her attention."
00:50:04: Also, Rose war keine Mutter,
00:50:06: die ihren Kindern viel Nähe und Geborgenheit schenkte.
00:50:09: Sie hat eine gewisse Distanz zwischen Mrs. Kennedy und ihren Kindern
00:50:12: mit Ausdämpfe von Rose Marie,
00:50:14: die den Großteil ihrer Aufmerksamkeit erhielt.
00:50:16: Also, Rose hatte wirklich ...
00:50:18: Die hat wirklich sehr viel Energie in Rosie gesteckt.
00:50:23: Und sie hat auch immer Tagebücher geschrieben
00:50:25: und so hat sie auch viel über Rosie und ihren Entwicklungsstand geschrieben.
00:50:29: Also nicht nur über sie, sondern auch über die anderen Kinder.
00:50:32: Aber sie scheint irgendwie auch wirklich viel investiert zu haben,
00:50:36: damit sie halt ein normales Kind wird.
00:50:38: Mhm. Ja, krass, irgendwie.
00:50:41: Ja, bei irgendwie einerseits find ich's halt voll schön,
00:50:44: dass sie sich so viel Mühe gibt für Rosie.
00:50:46: Und andererseits find ich's voll traurig,
00:50:48: dass sie sich halt in Anführungsstrichen nur Mühe gibt für Rosie,
00:50:52: damit sie halt normal wird.
00:50:55: Also, damit sie quasi ins Muster passt.
00:50:57: Und ich find's auch an der Stelle halt voll krass.
00:51:00: Also, Eugenik ist ja auch so die Wissenschaft,
00:51:02: die halt behindertenfeindlich als Fak ist, so. - Ja.
00:51:05: Und ...
00:51:07: Und irgendwie find ich's halt so krass,
00:51:09: weil vielleicht einfach zu 'ner anderen Zeit ...
00:51:12: hätte man Rosie halt auch einfach ...
00:51:15: Also, hätte man halt dafür sorgen können,
00:51:17: dass sie halt eben unterstützt wird,
00:51:19: aber nicht, damit sie ein normaler Mensch wird,
00:51:21: sondern damit sie halt ein glückliches und ...
00:51:24: also, ehrenhaftes Leben führen kann.
00:51:26: Also, das sind ja zwei vollkommen unterschiedliche Ziele so.
00:51:29: Aber ja, das sind einfach nur gerade so die Gedanken.
00:51:32: Das macht mich gerade sehr traurig,
00:51:35: wie Rose wirkt halt auf mich wie 'ne Mutter,
00:51:37: die das wahrscheinlich auch gemacht hätte.
00:51:39: Hätte sie einfach dieses Wissen gehabt.
00:51:42: Also, Rose wirkt auf mich sehr viel auch überfordert generell
00:51:45: mit ihrer Mutterrolle.
00:51:46: Also, es ist auch im Laufe ...
00:51:48: Also, ich hab ja schon gesagt, sie bekommt dann irgendwie ...
00:51:52: neun Kinder am Ende, also immer wieder eins.
00:51:54: Und ...
00:51:55: das Ding ist halt, sie ist aber sehr viel ...
00:51:58: Also, sie hat halt dieses Leben verpasst.
00:52:00: Sie wollte ja eigentlich studieren,
00:52:02: sie hat dieses Studentenleben geliebt,
00:52:04: sie hat halt rausgegangen.
00:52:06: Und es hat halt ihr Vater ja alles nicht erlaubt.
00:52:08: Und dann hat sie Joey geheiratet.
00:52:10: Und ich glaube, wahrscheinlich dachte sie auch so ein bisschen,
00:52:14: ja, wenn ich jetzt heirate, dann bin ich frei und kann andere Sachen an.
00:52:17: Aber hat die halt ein Kind nach dem anderen bekommen.
00:52:20: Und sie ist halt zum Teil auch wirklich ...
00:52:23: Also, sie hat Joey oft verlassen.
00:52:25: Sie hat ihn nicht ...
00:52:26: Sie hat ihm nicht gesagt, ich verlasse dich.
00:52:29: Aber sie ist zum Teil drei Monate einfach weggefahren
00:52:31: und hat Joey mit den Kindern zurückgelassen.
00:52:34: Sie hat das einfach gemacht.
00:52:35: Nee, aber trotzdem ... - Sie musste dann einfach raus.
00:52:38: Es war so eine Bedingung von ihr,
00:52:40: nachdem sie zurückgekommen ist, 1920,
00:52:43: dass sie halt immer wieder diese Auszeiten bekommt.
00:52:45: Und das Ding ist halt, ich will gar nicht so sehr viel über Rose reden,
00:52:49: weil es ist einfach so ein spezieller, megaspannender Charakter,
00:52:52: da könnte man eigentlich noch mal eine eigene Folge drüber machen.
00:52:56: Nur, ich glaube, sie war halt generell in ihrer Mutterrolle überfordert.
00:52:59: Deshalb war sie, glaub ich, auch zu den anderen Kindern distanziert.
00:53:03: Ich hab so ein bisschen auch so ...
00:53:05: herausgesucht, wie das Leben damals für behinderte Menschen war
00:53:09: oder für Menschen mit Behinderung.
00:53:11: Und das war halt ...
00:53:12: Wie du schon sagst mit Eugenik und so,
00:53:14: die hatten wirklich kein gutes Bild von diesen Menschen.
00:53:17: Und trotzdem hat Rose, obwohl sie auch gläubig war
00:53:19: und gläubig aufgewachsen ist,
00:53:21: und gläubige, also zum Beispiel auch ihre Familie,
00:53:24: eigentlich davon ausging, dass Behinderung eine göttliche Strafe sei,
00:53:27: hat Rose immer gesagt, dass sie das Rosie ein Geschenk Gottes sei.
00:53:31: Also, sie hat allen immer erzählt, dass Rosie ein Geschenk Gottes sei.
00:53:35: Ich weiß nicht, ob du das siehst,
00:53:37: aber Rosie, wie du schon gesagt hast, die lacht auf jedem Bild.
00:53:40: Ich hab auch noch ein paar mehr Bilder von Rosie und sie lacht.
00:53:44: Auch wenn so Familie-Fotos sind von den Kennen,
00:53:46: ich glaub, damals war es aber auch so üblich,
00:53:48: dass man ernst guckt, aber Rosie strahlt immer über das ganze Gesicht.
00:53:52: Ich glaub, die war wirklich ein sehr warmherziger Mensch,
00:53:55: der auch von ihren ganzen Geschwistern sehr geliebt wurde.
00:53:59: Das war damals mit Behinderung 1918/1910.
00:54:01: Es gab damals eben so spezielle Heimeanstalten,
00:54:04: die Menschen mit Behinderung wurden isoliert.
00:54:06: Diese Anstalten waren auch überfüllt und schlecht geführt.
00:54:10: Es gab wirklich sehr krasse, menschenunwürdige Bedingungen.
00:54:13: Und es war alles sehr autoritär.
00:54:15: Den Menschen wurde komplett die Mündigkeit abgesprochen.
00:54:18: Wenn es irgendwelche Zwischenfälle waren,
00:54:20: dann wurden halt ruhig gestellt oder festgefesselt und so war es.
00:54:24: Es waren halt wirklich ganz, ganz schlimme Bedingungen.
00:54:28: Seit 1907 gab es eben auch die Eugenik.
00:54:31: Und ein Teil von der Eugenik war eben auch,
00:54:34: dass die, das Menschen mit Behinderung einfach zwangsterealisiert wurden,
00:54:38: um halt schlechtes Erdgut zu verhindern.
00:54:41: Und das wurde auch in der Regel ohne die Zustimmung
00:54:45: und das Wissen von den Betroffenen durchgeführt.
00:54:47: Und eben dieses, was ich schon gesagt hab, so die Gläubigen,
00:54:50: also auch Rose-Familie, ging oft davon aus,
00:54:53: dass Behinderung halt eine göttliche Strafe sein
00:54:55: und Menschen mit Behinderung wurden ausgeschlossen
00:54:58: und die ja von Familien geheimgehalten.
00:55:00: Und das war bei Rosie, glaub ich, aber gar nicht so sehr der Fall.
00:55:03: Ich glaub jetzt nicht, dass sie auf allen gesellschaftlichen Events
00:55:07: immer komplett mit dabei war, aber ich glaub, das war auch,
00:55:10: weil die halt einfach super viele Kinder waren, generell.
00:55:13: Aber eigentlich wurde Rosie halt schon immer integriert
00:55:15: und auch zu allem mitgenommen und so.
00:55:18: Wusstest du, dass es teilweise heute noch gemacht wird?
00:55:21: Zangsterealisation.
00:55:22: Das hab ich nämlich tatsächlich auch rausgesucht.
00:55:24: Also, ich hab ja schon vorher erzählt,
00:55:27: dass sich circa 90 Prozent der Eltern,
00:55:29: die während der Prenataldiagnostik-Down-Syntom
00:55:31: diagnostiziert bekommen für ein Schwangerschaftsabbruch,
00:55:34: was ja auch schon zeigt, dass schon auch noch mehr ist
00:55:38: als nur Privilegien, die dazu führen, dass man das ...
00:55:41: oder Mangelabrivilegien, dass man die Schwangerschaft abbrecht,
00:55:44: sondern auch ein Bild von, na ja, wir wollen eben keine Menschen
00:55:47: mit Behinderung auf die Welt bringen, oder keinen Menschen?
00:55:51: Wir wollen halt ein normales Leben führen, also so, ja.
00:55:53: Die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung ist doppelt zu hoch,
00:55:57: die sind in Deutschland und mehr als ein Viertel der Betriebe,
00:56:00: die gesetzlich verpflichtet sind, Menschen mit Behinderung
00:56:03: einzustellen, beschäftigen keine.
00:56:05: Also, auch da gibt es ja Regelungen,
00:56:07: dass man eben Menschen mit Behinderung einstellen sollte.
00:56:10: Das dient ja auch einfach der Integration.
00:56:12: In behinderten Werkstätten gilt unser Mindestlohn nicht.
00:56:15: Das heißt, im Schnitt verdienen die Menschen dort 1,35 Euro pro Stunde.
00:56:19: Ey, ich hab hier mal einen ...
00:56:21: mich mit einem Menschen mit Behinderung länger auch unterhalten.
00:56:26: Und der arbeitet quasi am Theater, aber quasi vermittelt
00:56:31: über eine behinderten Werkstatt.
00:56:35: Und der hat halt teilweise 60 bis 80 Stundenwochen.
00:56:39: Und er verdient einfach nichts. - Ja, 1 Euro.
00:56:41: Also, er verdient, glaub ich, 50 Cent die Stunde.
00:56:43: Nee, er verdient weniger. - Was?
00:56:45: Ey, und wirklich, als ich das gehört hab,
00:56:47: mir ist es richtig schlecht geworden, einfach instantly so.
00:56:50: Und dann wird halt immer so argumentiert,
00:56:52: ja, aber die kriegen ja hier irgendwie Wohnung und Essen.
00:56:55: Auch dann, wenn ich das gegenrechne,
00:56:57: also wenn ich jetzt Wohnung und Essen von meinen Ausgaben rausnehme,
00:57:01: dann bleibt mir viel mehr übrig als 50 Cent die Stunde.
00:57:04: Das ist doch komplett egal, weil die brauchen das einfach.
00:57:07: Also, ich zahl da gerne Steuern für, damit Menschen mit Behinderung
00:57:11: bessere Lebensbedingungen haben. Das kann doch nicht wahr sein.
00:57:14: Voll, voll. - In mehreren EU-Ländern
00:57:16: ist Zwangsdiriliation von Menschen mit Behinderung legal.
00:57:19: Darunter Portugal, Finnland, Bulgarien und Ungarn.
00:57:22: In Deutschland sind Zwangsdiriliation nicht illegal.
00:57:25: 1992 wurde das zwar formal aufgehoben,
00:57:29: aber wenn eine Person als einwilligungsunfähig gilt,
00:57:33: darf der Betreuer entscheiden.
00:57:35: Und es ist was, was auch ganz viel stattfindet bei Menschen mit Behinderung.
00:57:41: Und tatsächlich ist es so, dass viele Frauen
00:57:44: auch dann einfach unter Druck stehen.
00:57:46: Und es lassen sich halt acht Mal mehr Frauen mit Behinderung
00:57:50: als ohne Behinderung sterilisieren.
00:57:52: Und das Gefälle, so zu sehen, wird auf jeden Fall auch freiwillig.
00:57:55: In aller Zeichen freiwillig, weil ich glaube,
00:57:58: dass die halt eigentlich keine Wahl haben.
00:58:00: Ich find das so krass, weil sterilisation,
00:58:03: da musst du erst mal als Frau ohne Behinderung,
00:58:06: musst du erst mal einen Arzt finden oder eine Ärztin,
00:58:08: die das für dich macht. - Ja.
00:58:10: Und die Erfahrung von Frauen ohne Behinderung
00:58:13: ist ja auch, dass halt alle so ablehnen und so sind,
00:58:15: so ja, nee, vielleicht willst du ja mal.
00:58:17: Und dann gehst du als Mensch mit Behinderung,
00:58:20: als Betreuungsperson von einem Menschen mit Behinderung dahin.
00:58:23: Und dann machen die das einfach.
00:58:25: Also wirklich, ich find das unfassbar,
00:58:27: das ist einfach so eine offensichtliche Ungerechtigkeit
00:58:30: und so ein offensichtliches Absprechen
00:58:32: von eigenen Willen, von eigenen Lebens- und auch von...
00:58:37: Man spricht ja den Menschen einerseits in eigenen Willen,
00:58:40: aber bei andererseits ja auch die Fähigkeit,
00:58:42: einen eigenen Willen zu bilden.
00:58:44: Das macht mich so wütend gerade, meine Güte.
00:58:47: Frauen mit Behinderung werden außerdem
00:58:49: zwei bis drei Mal häufiger Opfer von sexualisierter Gewalt
00:58:54: als Frauen ohne Behinderung und das weltweit.
00:58:57: Also auch da noch mal dieses Ding von,
00:59:00: ja, wenn Frauen sich halt irgendwie freizügig präsentieren
00:59:03: oder besonders schön sind, dann gibt es ja die Triebe
00:59:07: und dann müssen die Männer halt und können nicht anders so, nee.
00:59:11: Das ist einfach nur ein Machtspiel
00:59:13: und Frauen mit Behinderung haben häufig einfach noch weniger Macht.
00:59:17: Als Männer, ohnehin schon.
00:59:19: Und deshalb werden die auch häufiger Opfer von sexueller Gewalt.
00:59:24: So. - Ja, womit wir übrigens nicht sagen wollten,
00:59:28: dass Frauen mit Behinderung irgendwie nicht schön sind oder so.
00:59:32: Ja, aber heute ist halt nicht normschön, sozusagen.
00:59:35: Genau, es ist nämlich oft so, dass Menschen,
00:59:38: die offensichtlich nicht normschön sind,
00:59:40: also dasselbe geht zum Beispiel auch für schwarze Frauen,
00:59:43: dass die einfach öfter auch Opfer von Gewalt haben werden
00:59:47: und unter anderem eben auch von sexuellem Missbrauch.
00:59:49: Vor allem ist es ja auch so, dass Menschen mit Behinderung
00:59:53: insbesondere dann Opfer von sexueller Gewalt werden,
00:59:55: wenn sie sich gar nicht wehren können,
00:59:57: also einfach zum Beispiel gelebt sind oder ...
01:00:00: Ja, halt einfach so eine starke, geistige Behinderung haben,
01:00:03: dass sie sich halt ... dass sie gar nicht richtig wahrnehmen,
01:00:06: was passiert oder dass sie es nicht äußern können,
01:00:09: wenn sie es wahrnehmen.
01:00:11: Und das ist halt ... das spricht ja auch dafür,
01:00:13: dass es nicht um ...
01:00:15: dass es einfach nur um Macht geht,
01:00:17: weil wenn man eine Person lieben würde
01:00:19: und deshalb mit ihr körperlichen Kontakt haben wollen würde,
01:00:22: würde man ja nicht wollen, dass die Person gar nicht dazu in der Lage ist,
01:00:26: nein zu sagen. Also, weißt du, was ich meine?
01:00:29: Ja, ja, ja, selb. - Okay.
01:00:30: Ähm ... ja.
01:00:32: Würdest du so ein Leben für dein Kind wollen?
01:00:35: Also ... in den Heimen und so?
01:00:37: Ja, also genau mit diesem, was halt 1918 so los war,
01:00:40: also mit diesem ... mit den Heimen, wo die so quasi ...
01:00:44: gewalttätig irgendwie ruhiggestellt wurden.
01:00:47: Zwangsterelleation. - Nee, auf Rackern.
01:00:49: Dann auch dieses ...
01:00:51: göttliche Strafe und halt diesen Ausschuss und so was.
01:00:54: Also ... es würde dir wahrscheinlich auch Angst machen, oder?
01:00:57: Nee, gar nicht.
01:00:58: Natürlich, das will mir komplett Angst machen.
01:01:00: Ja, so geht's Rose halt auch.
01:01:02: Und sie will kein Leben in Isolation für Rose Marie.
01:01:05: Sie nennt ihre Tochter ein Geschenk Gottes, das hab ich ja schon erzählt.
01:01:09: Und will sie auch insbesondere ihren Vater davon überzeugen,
01:01:12: dass sie ... ja, deshalb will sie auch ...
01:01:14: Also sie will halt Rose wirklich nicht vom Leben ausschließen.
01:01:18: Und deshalb schickt sie sie auch einfach auf eine ganz normale Schule.
01:01:22: Im Herbst 2023 kommt Rose Marie mit fünf Jahren
01:01:24: in die Edward Devotion-School.
01:01:26: Und das ist halt einfach dieselbe Schule, in der auch ihre Brüder waren.
01:01:30: Und genau, also ...
01:01:31: Rose schreibt in eines ihrer Tagebücher,
01:01:33: dass sie halt einfach will, dass Rose gut gefördert wird.
01:01:37: Und sie geht dann irgendwie auch davon aus,
01:01:40: dass es irgendwie klappen wird.
01:01:41: Aber also, den Lehrer entfällt halt schnell auf,
01:01:43: dass die Entwicklungsstand halt einfach nicht ...
01:01:46: Ja, dass er einfach nicht dem entspricht.
01:01:48: Also der andere Kind ist ja klar,
01:01:50: sogar Junis, ihre Schwester, die glaub ich irgendwie sogar
01:01:53: drei Jahre jünger ist oder so, zwei Jahre jünger.
01:01:56: Ja, 2021 ist die Geburt, also drei Jahre jünger.
01:01:59: Genau. - Ja.
01:02:00: Und ...
01:02:01: die Lehrer geben mir also quasi die ganze Zeit das Feedback.
01:02:05: Hier deine Tochter, die ist geistig eingeschränkt.
01:02:08: Ja.
01:02:09: Rose schreibt dann in eines ihrer Tagebücher,
01:02:12: dass sie noch nie zuvor von einem geistig eingeschränkten Kind gehört hat.
01:02:16: Und es war halt damals einfach kein gängiger Begriff.
01:02:18: Sie will aber einfach alles darüber erfahren.
01:02:21: Also sie will Rosie helfen.
01:02:23: Und deshalb ließ sie alles über geistige Behinderungen,
01:02:26: was sie finden kann.
01:02:27: Sie möchte herausfinden, was das für die Zukunft ihrer Tochter
01:02:30: zu bedeuten hat.
01:02:31: Und ich glaube, sie wollte eben auch herausfinden,
01:02:34: ob sie Rosie quasi wieder reparieren kann,
01:02:36: in Anfangszeichen.
01:02:38: Und deshalb soll Rosie auch trotzdem weiterhin auf normale Schulen gehen.
01:02:42: Also sie will einfach nicht, dass Rosie ihren Ehrgeiz verliert.
01:02:45: Und auch wenn die Lehrer sagen, es funktioniert nicht,
01:02:48: ist es so, dass sie halt so sagt, nee, trotzdem.
01:02:51: Das Problem ist dann aber halt, dass die Schule halt verweigert,
01:02:55: sie weiterhin zu unterrichten.
01:02:56: Was ich aber in dem Kontext noch verstehen kann.
01:03:00: Weil damals war ja Integration in Schulen ja wirklich
01:03:04: überhaupt gar kein Thema.
01:03:05: Und ich glaube, das ist auch heutzutage ein Problem,
01:03:08: dass sie sich festgelegt wird, ja, wir machen Integration,
01:03:11: aber es fehlen halt Integrationskräfte oder Lehrkräfte werden
01:03:14: in ihrem Studium nicht darauf vorbereitet,
01:03:16: mit Kindern mit Behinderung umzugehen,
01:03:18: die ja schon auch zum Teil andere Nieds haben.
01:03:21: Zum Beispiel war Rosie halt sehr ...
01:03:22: Sie war nicht nur sehr verträumt,
01:03:24: sondern sie hat auch viel Unterstützung gebraucht.
01:03:27: Sie war nicht auf demselben Stand.
01:03:29: Also sie konnte nicht dieselben Aufgaben machen, wie die anderen.
01:03:32: Sie hatte spezielle Aufgaben auch gebraucht.
01:03:34: Und sie war vor allem auch sehr impulsiv,
01:03:36: aber sie war auch wahrscheinlich eine spezielle ...
01:03:39: Ich glaube, viele Lehrer hätten halt auch nur Ausbildung gebraucht,
01:03:43: wie sie dann mit dieser Wut umgehen.
01:03:45: Und haben das halt einfach nicht hingekriegt sozusagen.
01:03:47: Also ich find's auf 'ner Art schon auch fair,
01:03:50: wenn die Lehrer dann sagen, wir kommen jetzt gerade nicht weiter.
01:03:53: Rose und Joey haben mit Rosie viele Ärzte aufgesucht,
01:03:56: die alle bestätigt haben, sie ist geistig behindert,
01:03:59: Hat anscheinend sehr niedrige Ergebnisse ergeben.
01:04:03: Wir wissen nicht genau, was es war.
01:04:05: Heute würde man sagen 70 oder niedriger.
01:04:08: Bei Weiß auf jeden Fall, dass sie, als sie dann erwachsen war,
01:04:11: den entwicklungsstand,
01:04:13: den geistigen Entwicklungsstand von der 8-12-Jährigen hatte.
01:04:17: Mit 23 Jahren. - Okay.
01:04:18: Sie war schon sehr weit zurück für ihr Alter.
01:04:21: Deshalb ist sie dann auch ...
01:04:23: Die Familie ist in der Zeit mehrfach umgezogen,
01:04:26: weil die immer wieder in größere Häuser ziehen mussten.
01:04:29: Sie war mal wieder in andere Städte, weil Jo hier auch politisch aktiv war.
01:04:33: Und ...
01:04:34: in Riverdale, da sind sie 1927 hingezogen,
01:04:38: haben sie dann auch erst mal wieder versucht,
01:04:40: Rosie in die 1. Klasse einzuschulen.
01:04:43: Sie haben es immer wieder versucht, sie auf normalen Schulen zu stecken.
01:04:46: Aber auch da war es so, dass sie gesagt haben, geht nicht.
01:04:49: Sie muss gehen, wir können sie hier nicht unterrichten.
01:04:52: Und 1928, also ein Jahr, nachdem sie dann nach Riverdale gezogen sind,
01:04:56: mit 10 Jahren, kommt sie auf ein Internat für Kinder mit Lernschwierigkeiten.
01:05:00: Und tatsächlich machte sie sich dort auch ganz gut.
01:05:03: Das ist auch das, was ich meine.
01:05:05: Ich glaub, die haben dann tatsächlich auch die Kinder
01:05:08: ein bisschen besser fördern können.
01:05:10: Sie hat dann tatsächlich auch Lesen und Schreiben gelernt mit der Zeit.
01:05:13: Verstehen. - Ja.
01:05:15: Und sie hatte auch ein Sozialleben und so.
01:05:17: Also ich glaub, sie ...
01:05:18: Also es war zumindest, ich weiß nicht,
01:05:20: ich kann mal jetzt im Nachhinein nicht wissen,
01:05:23: aber es war jetzt nicht die Hölle auf Erden für sie.
01:05:26: Aber ihre Familie ist vermisst.
01:05:27: Ich hab jetzt auch noch mal einen Brief von ihr mitgebracht.
01:05:31: Den würde ich dir mal vorlesen.
01:05:32: "Liebe Jonas." - Ja, wie schön.
01:05:34: "Liebe Jonas, ich vermisse dich sehr."
01:05:36: Wir hatten richtig viel Spaß, als ich zu Hause war, oder?
01:05:39: Ich war so traurig, dass ich euch alle schon wieder verlassen musste.
01:05:43: "Sag dir, Mädchen, sie sollen mir so viel schreiben, wie sie können.
01:05:47: Ich werde bald wieder da sein, mein Liebling.
01:05:49: Ich kann es kaum erwarten, von Mama und Papa zu hören.
01:05:52: Sag Mama, sie sollen mir meine Ostern-Süßigkeiten schicken.
01:05:55: Wenn ich nichts von ihr höre, sag ihr das.
01:05:57: "Schreib mir einen langen Brief, mach ihn so lange, wie du kannst, Schatz.
01:06:01: Ich weiß, dass du Stolenwest liebes. In Liebe Rose."
01:06:04: Ich weiß nicht, was ich selber Rose genannt.
01:06:06: Aber eigentlich haben alle sie Rosie genannt.
01:06:08: Süß. - Süß.
01:06:10: Aha. - Ja.
01:06:12: Voll traurig auch, wenn man nicht bei der Familie leben kann.
01:06:16: Ja.
01:06:17: Sie ist dann auch tatsächlich eine Weile in dieser Privatschule.
01:06:21: Und irgendwann hatten dann, die kennet es aber,
01:06:24: wieder mal das Gefühl, dass das Internat für Kinder mit Lernschwierigkeiten
01:06:28: Rosie nicht genug fördern würde.
01:06:30: Und haben sie dann irgendwie ...
01:06:32: haben ihr dann wieder Einzelunterricht geben lassen.
01:06:34: Und haben sie dann ...
01:06:35: Sie lebte dann jetzt in der Nähe von ihren Großeltern,
01:06:39: also in Boston wieder.
01:06:40: Und nicht mehr ganz so weit weg von allen.
01:06:43: Aber ja, also die Familie legt wirklich krassen Fokus darauf,
01:06:46: sie die ganze Zeit zu fördern.
01:06:48: Und irgendwie ... ja ...
01:06:50: irgendwie hab ich das Gefühl schon,
01:06:52: dass sie quasi normal wird.
01:06:53: Ja, ja, ja. Ich hab auch das Gefühl.
01:06:56: Das finde ich ...
01:06:58: Das ist nämlich so das Geschmäckle, das das die ganze Zeit hat.
01:07:01: Weil ansonsten hätte ich gesagt, voll schön,
01:07:03: weil das ja schon fast so ein Stigma bricht.
01:07:06: Dass man sagt, an irgendeinem Punkt können sich Menschen
01:07:09: mit geistiger Behinderung nicht mehr weiterentwickeln,
01:07:12: wo man weiß, das stimmt nicht.
01:07:14: Und dass man dann irgendwie so ...
01:07:16: die auch immer so maßlos unterschätzt.
01:07:18: Und dementsprechend auch so behandelt, als könnten sie nicht.
01:07:21: Und das ist ja in dem Fall jetzt nicht so.
01:07:23: Aber der Hintergrund ist ja nicht, um die Person bestmöglich zu fördern,
01:07:27: damit die Person glücklich ist, sondern um sie einzugliedern.
01:07:30: Ja, voll. - Was ja ...
01:07:31: Das Gegenteil von Inklusion ist. - Ja.
01:07:34: Von Integration ist, sondern eben Inklusion.
01:07:36: Also ... vielleicht auch kurz ...
01:07:38: Der Unterschied zwischen Integration und Inklusion.
01:07:41: Warte mal ganz kurz, ist das ...
01:07:43: Intek ... - Ich glaube, Inklusion ist ...
01:07:46: Ich hab die ganze Zeit ... - Ja, genau.
01:07:48: Integration sagt, das war falsch. - Ja, stimmt.
01:07:50: Stimmt, stimmt, stimmt.
01:07:52: Das könnt ihr gut nachlesen.
01:07:53: Eine Leseempfehlung, Raul Krauthausen, hat ein Buch geschrieben.
01:07:57: "Wer Inklusion will, findet sie. Wer sie nicht findet Wege,
01:08:00: wer sie nicht will, findet Ausreden."
01:08:03: So ähnlich. Wir können es euch noch mal in die Caption schreiben.
01:08:06: Und er sagt, Integration bedeutet mehr oder weniger,
01:08:09: ja, wir haben hier unsere Strukturen.
01:08:11: Und dann kommen jetzt eben Personen,
01:08:13: für die diese Strukturen gar nicht gemacht wurden,
01:08:16: kommen jetzt da rein und sollen halt irgendwie zurechtkommen.
01:08:19: Wir haben hier bestehende Strukturen,
01:08:21: wir haben da bestehende Strukturen,
01:08:23: wir erschaffen neue Strukturen, damit beide sich wohlfühlen.
01:08:26: Und deswegen sollte man eher nach Inklusion streben,
01:08:29: als nach Integration. - Ja, voll.
01:08:31: Ja, und das ist, glaub ich, auch das Problem halt.
01:08:33: Oder das ist ganz sicher das Problem an bestehenden Schulen.
01:08:37: Dass Inklusion halt nicht gut durchgesetzt wird.
01:08:39: Voll. Und genau also ...
01:08:41: Sie wird halt wirklich ständig in neue Schulen geschickt.
01:08:44: Immer wieder kommt sie auf eine neue Schule.
01:08:47: Sie hat noch ein Unterricht, den sie jetzt hat.
01:08:49: Da haben ihre Eltern schon wieder das Gefühl,
01:08:51: dass sie nicht genug gefördert wird.
01:08:53: Deshalb kommt sie parallel noch in die Miss Newton-School.
01:08:56: Sie besucht jetzt quasi eine Schule und hat noch ein Unterricht zusätzlich.
01:09:00: Trotzdem ist sie ja einfach beim Lernen zurück.
01:09:03: Sie kann es halt einfach nicht aufholen,
01:09:05: weil sie halt einfach eine geistige Behinderung hat.
01:09:08: Das Ding ist aber ...
01:09:09: Mich würde irgendwie interessieren, wie Rosie das alles fand.
01:09:12: Weil irgendwie habe ich das Gefühl,
01:09:14: also klar, diesen Brief jetzt, und dass sie eben
01:09:17: bei ihrer Familie vermisst hat.
01:09:18: Aber ansonsten habe ich das Gefühl,
01:09:20: wir wissen gar nicht, wie sie das alles erlebt hat.
01:09:23: Weil es könnte jetzt natürlich sein, sie fand es voll cool.
01:09:26: Es könnte aber halt auch sein, sie ist eigentlich total am Verzweifeln,
01:09:30: weil sie eben merkt, da ist Druck und sie muss dazugehören.
01:09:33: Aber sie fühlt sich vielleicht wie ein Alien oder so.
01:09:36: Du wirst am Ende noch erfahren, warum wir leider von ihrer Perspektive
01:09:40: nicht viel hören können.
01:09:41: Wir können uns das nur so ein bisschen zusammenreiben,
01:09:44: weil sie wissen was andere von ihr erzählen.
01:09:46: Auch gerade ihre Schwester Junis, die ihr sehr nahesteht
01:09:49: und auch im späteren Verlauf noch sehr nahesteht.
01:09:52: Genau, also sie wird eben immer wieder auf Schulen geschickt
01:09:55: und kann halt einfach dieses Lernen-Defizit nicht aufholen.
01:10:01: Aber sie hat tatsächlich ein sehr reges Sozialleben.
01:10:04: Also sie hat viele Freundinnen,
01:10:06: und mit denen versteht sie sich auch richtig gut.
01:10:09: Also sie ist dort, wo sie ist, immer viel unterwegs auch.
01:10:12: Sie unternimmt was mit ihren Freundinnen.
01:10:15: Sie ziehen um die Häuser, sie gehen zusammen zum Friseur,
01:10:18: sie lackieren sich die Nägel.
01:10:20: Und Rosie wird auch zu einer richtig hübschen jungen Frau.
01:10:23: Da hab ich dir auch wieder ein Bild mitgebracht.
01:10:26: Es ist so schön, was du erzählst,
01:10:28: weil das erinnert mich auch so an die Mutter,
01:10:30: weil die Cern scheint auch irgendwie so, oha,
01:10:32: die ist ja echt voll hübsch. - Ja.
01:10:34: Und sie lächelt wieder so schön. - Ja, die lächelt wirklich auf jedem Bild.
01:10:38: Also die hat einfach das schönste Lächeln, finde ich.
01:10:41: Ja. - Und sie sieht halt auch echt ihrer Mutter so ähnlich, ne?
01:10:45: Also das ist schon krass. - Ja, finde ich auch.
01:10:48: Ja, die sieht echt ... - Willst du das Bild mal beschreiben?
01:10:51: Sie sieht halt ab direkt so sympathisch aus.
01:10:54: Ah, sorry, stimmt, ich bin schon wieder aus der Datei raus.
01:10:57: Ja, also es ist wieder ein schwarz-weiß Bild.
01:11:00: Man sieht eben Rosie.
01:11:03: Also man sieht fast alles von ihrem Körper.
01:11:06: Also so die, ab den Knien ist das Bild abgeschnitten.
01:11:09: Sie trägt wie so eine Art Mantel,
01:11:12: der ist recht eng anliegend, finde ich.
01:11:14: Und über dem Mantel ist noch so ein Gürtel.
01:11:17: Also sie ist irgendwie auch sehr modisch gekleidet.
01:11:20: Ja, sie hat da auch sehr viel Wert draufgelegt.
01:11:22: Sie hat sehr im Interesse entsprochen.
01:11:25: Ja. - Ja, also da würde ich sagen, man sieht das auch.
01:11:28: Und sie trägt auch so einen Hut.
01:11:30: Also das ist irgendwie auch ein sehr untypischer Hut, würde ich sagen.
01:11:33: Also ich könnte jetzt auch gar nicht sagen,
01:11:35: also es ist kein Zylinder und auch keine Melone, I don't know.
01:11:39: Also wenn ich hier hüte, die doch einfach so ein Modus war.
01:11:41: Ich glaube, so für Frauen waren das schon eine relativ normale Hüte.
01:11:45: Ah, okay, okay.
01:11:46: Und sie hat noch so eine Handtasche in der Hand.
01:11:49: Man sieht ihre Finger, also sie hat irgendwie lange Finger,
01:11:51: keine Ahnung, aber sie sieht auch irgendwie sehr zierlich aus.
01:11:54: Gleichzeitig. - Ja.
01:11:56: Aber irgendwie ihr Gesicht wirkt dann wiederum so,
01:11:59: als ob sie auch so richtig auch mal so,
01:12:03: weil es nicht einen draufhauen kann.
01:12:04: Weißt du was ich meine?
01:12:06: Aber auch so, als ob sie eben für ihre Persönlichkeit ...
01:12:09: Aber nicht zerbrechlich. - Ja, zierlich aber nicht zerbrechlich.
01:12:13: Das ist gut im Schreiben.
01:12:14: Genau, also sie hat auch wirklich ...
01:12:16: Sie hat Interesse auch an Kleidung.
01:12:18: Sie kauft sich gerne neue Klamotten.
01:12:20: Sie profitiert halt sehr davon, dass ihre Eltern auch reich sind.
01:12:23: Sie kann sich auch wirklich alles kaufen, was sie will.
01:12:26: Und das erzählt sie auch immer in ihren Briefen.
01:12:29: Ihr Sozialleben ist halt wirklich sehr ...
01:12:31: Ich glaube, sie hat da auch schon echt zum Teil eine wirklich gute Zeit.
01:12:35: Aber trotzdem beschreiben die Lehrer der verschiedenen Schulen
01:12:38: immer wieder, dass sie halt Schwierigkeiten hat,
01:12:41: sich zu konzentrieren, impulsiv ist
01:12:43: und zum Teil aggressiv auf Anforderungen oder Frust reagiert.
01:12:46: Das wird tatsächlich auch mit der Propathet und der Zeit immer schlimmer.
01:12:50: Und Rosie gibt sich aber die ganze Zeit wirklich super viel Mühe,
01:12:53: um den Anforderungen ihrer Eltern gerecht zu werden.
01:12:56: Und nachdem ihr Vater sie im Oktober 1934 besucht hat,
01:13:00: schrieb sie eben auch noch mal einen Brief
01:13:02: und hämlich auch noch mal vorlesen.
01:13:04: (Er liest auf Englisch.)
01:13:07: Also, man sieht schon, sie will irgendwie ...
01:13:32: Also, sie hat zwar dieses Sozialleben
01:13:35: und sie hat zwar ihre Freundin und so
01:13:37: und wird von allen auch als liebevoll und warmherzig wahrgenommen,
01:13:41: aber sie vermisst ihre Familie einfach unendlich.
01:13:44: Ja.
01:13:45: Äh, auch so dieses Ding von ...
01:13:48: Also ...
01:13:49: Wie viel Liebe sie ihm schenkt in diesem Brief.
01:13:52: Ja.
01:13:53: Und gleichzeitig, wie weh es ihr tut,
01:13:55: dass sie seinen Anforderungen nicht gerecht wird.
01:13:57: Ja.
01:13:58: Ja, und generell, also, sie ist halt so ...
01:14:01: Also, ich glaub, sie ist wirklich einfach so ein richtig guter Mensch.
01:14:04: Sie ist, glaub ich, richtig warmherzig auch.
01:14:07: Die Familie liebt sich auch wirklich.
01:14:09: Also, ihre Geschwister lieben sie so sehr.
01:14:11: Sie erzählen irgendwie, dass sie ihr dann voll gerne
01:14:14: Komplimente machen über ihre Kleidung, weil sie das so mag.
01:14:17: Und dann lacht sie anscheinend immer so megaherzig
01:14:20: und ist total glücklich.
01:14:21: Ihr Bruder Jack, also John F. Kennedy,
01:14:23: der späterer Präsident geht mit ihr auch super auf
01:14:26: zur Tanzveranstaltung, wenn er kann.
01:14:28: Und auch zu Junis hat sie nach wie vor eine superenge Bindung.
01:14:31: Also ...
01:14:32: Mhm.
01:14:33: Die schreiben sich viele Briefe.
01:14:35: Wie gesagt, das wird sich auch weiterhin ...
01:14:38: Also, das bleibt halt auch so ein Leben lang,
01:14:40: sodass die beiden sich gut verstehen.
01:14:42: Sie hat aber natürlich auch weiterhin viele Arztbesuche
01:14:45: und erzählt auch in ihren Briefen von irgendwelchen Roten Pillen
01:14:48: und Injektionen.
01:14:49: Und ... - Really?
01:14:51: Also, das zieht sich halt irgendwie auch die ganze Zeit durch,
01:14:54: dass ihre Eltern oder ihr Vater mit ihr zu irgendeinem Arzt geht
01:14:57: und mit dem Montherapien oder so, ihre Behinderung zu fixen, sozusagen.
01:15:01: Mhm.
01:15:02: 1938 wird Joey amerikanischer Botschafter in Großbritannien.
01:15:06: Und die ganze Familie kennete die Zug nach London.
01:15:08: Da war Rosemary 20.
01:15:09: Und tatsächlich wurde Rosie da einfach mitgenommen.
01:15:12: Also, sie kam einfach mit.
01:15:14: Sie ging dann da auch zur Schule. - Ja.
01:15:16: Und sie wurde auch bei alle mitgenommen.
01:15:18: Also, sie haben wirklich, obwohl sie eine geistige Behinderung war,
01:15:22: sie nicht ausgeschlossen.
01:15:23: Also, ganz entgegen im Zeit, sie wurde der Königsfamilie vorgestellt.
01:15:27: Und dann war sie der Tochter von Botschafter so üblich,
01:15:30: dass man das gemacht hat.
01:15:31: Und sie war auch bei der Audienz beim Papst mit dabei.
01:15:34: Also, sie war wirklich überall mit dabei.
01:15:36: Die haben sie nicht vor der Öffentlichkeit verborgen.
01:15:39: Aber glaubst du, dass das auch daran lag, dass sie ...
01:15:42: Also, weil sie hat ja irgendwo schon auch eine unsichtbare Behinderung.
01:15:46: Ja. - Also, sie hat diese Lernschwäche.
01:15:48: Aber ich würde sagen, weil ...
01:15:50: Manchmal sieht man das ja Menschen auch irgendwie daran an,
01:15:53: dass eben, so wie beim Down-Syndrom,
01:15:55: die die Lernform vom Gesicht ein bisschen verändert ist.
01:15:58: Und bei ihr sieht man aber wirklich einfach auch gar nichts.
01:16:02: Ich freut mich, ob der Umgang noch mal anders gewesen wäre,
01:16:05: wenn man es auf den ersten Blick sieht.
01:16:07: Ja, glaub ich schon auch.
01:16:08: Ich glaube, sie haben sie zwar immer gerne mitgenommen,
01:16:11: aber sie haben schon auch darauf geachtet,
01:16:14: wie sie halt mitkommt.
01:16:15: Also, dass genug Leute da sind, die sie quasi im Zaum halten können.
01:16:18: Weil sie eben wirklich auch zu vermehrten Wutausbrüchen geneigt hat.
01:16:22: Ich glaube, auch wenn man sich damit unterhalten hat,
01:16:25: weil sie war dann auf einem Entwicklungsstatt
01:16:27: von einem achtjährigen Kind so ungefähr.
01:16:30: Also, ich denke, das hat man schon gemerkt.
01:16:32: Und vor allem bekam sie aber auch jetzt zu den Wutausbrüchen.
01:16:35: Und die Wutausbrüche waren so heftig,
01:16:37: dass sie hat angefangen, hat halt andere,
01:16:39: sich selbst zu verletzen.
01:16:41: Es waren wirklich schlimme Wutausbrüche.
01:16:43: Auch Kampf und Fälle.
01:16:44: Also, es war jetzt wirklich auch so,
01:16:46: dass es immer schlimmer wurde, in Anführungszeichen.
01:16:49: Also, quasi ihre Behinderung auch anfing sich
01:16:53: in so körperlichen Symptomen auszudrücken.
01:16:55: Okay, die Arme.
01:16:57: Genau, mit Beginn des Krieges ist die Familie
01:16:59: dann wieder zurück in die USA.
01:17:01: Und Joey hat mittlerweile diese politische Karriere
01:17:04: und macht sich tatsächlich auch immer mehr Sorgen um sein Ansehen.
01:17:07: Wegen diesen Wutausbrüchen.
01:17:09: Und schickt dann Rosie auf eine Closter-Schule für Mädchen,
01:17:12: St. Gertruths 940.
01:17:14: Und tatsächlich ... - Hab ich sogar schon mal gehört.
01:17:17: Ja, ich auch. Ich weiß gar nicht, aber in welchem Kontext.
01:17:20: Ich auch nicht.
01:17:21: Na ja, auf jeden Fall ist es dann aber auch so, dass ...
01:17:24: Rosie dort abhaut.
01:17:25: Also, die haut nachts einfach ab aus dieser Closter-Schule.
01:17:28: Und einige Quellen sagen, dass sie sich heimlich mit Männern getroffen haben,
01:17:32: die ihr zum Beispiel auch Aufmerksamkeit und eben Sex gaben.
01:17:35: Da werden wir wieder bei diesem Thema sexualer Missbrauch
01:17:38: von Menschen mit Behinderung.
01:17:40: Weil ... ich denke, sobald sie ... - War das Missbrauch?
01:17:43: Ich weiß es nicht.
01:17:44: Weil sie ist ja weggerannt, um das zu machen oder nicht?
01:17:47: Sie ist weggerannt, um irgendwas zu machen.
01:17:49: Sie ist halt im Basis und so was auch gegangen.
01:17:51: Ich kann mir halt schon vorstellen ...
01:17:53: Also ...
01:17:54: Ich mein, es kann auch freiwillig gewesen sein,
01:17:57: aber wie gesagt, sie war trotzdem auf einem Entwicklungsstand
01:18:00: von einem achtjährigen Kind.
01:18:01: Und da spricht es für mich eher von einem zwölfjährigen Maximal.
01:18:05: Nicht so dafür, dass sie so One-Eyed-Stands und so was hatte.
01:18:08: Ich kann mir vorstellen, wenn eine Mann sich auf sie eingelassen hätte
01:18:11: und sie kennengelernt hätte und so, dann wär's was anderes gewesen.
01:18:15: Aber so hat es für mich schon ein bisschen Geschmäckle.
01:18:18: Weil halt ... - Es hat auf jeden Fall ...
01:18:20: Die Familie hatte halt tatsächlich irgendwo auch Angst,
01:18:23: um sie gehabt, was ich irgendwie verständlich finde.
01:18:25: Vor Krankheiten, aber auch vor einer ungewollten Schwangerschaft.
01:18:29: Ja, an der Stelle würde ich auch noch mal kurz eine Empfehlung.
01:18:32: Und zwar, ich weiß gar nicht, ob der Podcast weiterhin
01:18:35: gerade noch produziert wird, aber ich ...
01:18:37: Also, da gibt's eine Folge, der heißt, ist das normal.
01:18:41: Ich weiß nicht mehr den folgen Namen,
01:18:43: aber ich werd auch das in die Beschreibung reinschreiben
01:18:45: von unserem Podcast.
01:18:47: Und da geht's eben auch, das ist ein Interview über ...
01:18:50: Menschen mit Behinderung und Sexualität.
01:18:52: Deswegen hab ich auch gerade so eingegretzt,
01:18:54: ob man sich so sicher ist, dass es nicht einvernehmlich war,
01:18:57: weil man Menschen mit Behinderung oft eine eigene Sexualität abspricht.
01:19:01: Aber an der Stelle muss ich auch sagen,
01:19:04: ja, wenn man davon ausgeht, dass es der Entwicklungsstand
01:19:07: von der 8- oder 12-Jährigen ist, wobei man auch da kritisieren darf,
01:19:11: dass sie trotzdem die Lebenserfahrung von der 20-Jährigen an versucht.
01:19:14: Also, so war das gar nicht gemeint.
01:19:16: Es ist nicht so gemeint, dass ich nicht glaube,
01:19:19: dass ich das nicht mehr direkt haben können.
01:19:21: Nur bin ich halt ziemlich sicher in so einem Setting,
01:19:24: in so einem Bar-Setting als Single-Frau,
01:19:26: was man damals sowieso nicht gemacht hat.
01:19:28: Weißt du, was ich meine?
01:19:29: Das war ja eh schon so ein eher Ding von,
01:19:32: ja, da sind halt Frauen, die Sex verkaufen so.
01:19:34: Also, es war ja damals einfach nicht üblich.
01:19:37: Kann ich mir schon eher vorstellen, dass es da um Machtgefälle ging.
01:19:40: Also, ich stell nicht infrage, oder es kann man nicht wegen auch sein,
01:19:44: dass es für Rosie tatsächlich gar nicht so schlimm war,
01:19:47: weil sie es vielleicht auch genossen hat.
01:19:49: Aber trotzdem bin ich der Meinung, dass die Männer das halt nicht gemacht haben,
01:19:54: weil sie sich mit ihr auf Augenhöhe gefühlt haben
01:19:57: und sie wirklich gemocht haben,
01:19:58: sondern dass es da schon eine Machtkomponente einfach war.
01:20:01: Ja, safe. Also, kann ich mir auch ...
01:20:03: Also, ist ja auch am Ende des Tages, ist das ja so.
01:20:06: Genau. - Ja, voll.
01:20:08: Und solange da halt eine Machtkomponente mit drin ist,
01:20:10: ist es halt einfach ... - Doktomatisch.
01:20:13: Ja, voll. Also, finde ich zumindest.
01:20:16: Ja, finde ich schon auch.
01:20:17: Es ist jetzt selbstreden, dass die Kloster Schule kein Bock mehr auf sie hat
01:20:21: und sie halt nicht mehr weiter aufnehmen möchte, würde ich sagen.
01:20:24: Ja. - Die guten christlichen Werte.
01:20:27: Genau, sie haben Angst vor ihren schlechten Einflüssen.
01:20:30: Und Joey ist natürlich dann besorgt um seine politische Karriere
01:20:33: und das Ansehen seiner Familie.
01:20:35: Vor allem, weil seine Tochter jetzt auch noch anfängt,
01:20:38: eben sexuell so stark aktiv zu sein.
01:20:40: Und generell, also, die Familie hat halt in Europa auch ...
01:20:44: Sie berühmtspunkte auch mit Hitler gehabt tatsächlich.
01:20:46: Also, auch Rosis ältere Bruder Joseph, also der älteste,
01:20:50: der sympathisiert auch mit den Ideen von Hitler und schrieb auch so Briefe.
01:20:54: Ja, irgendwie voll schlau, was er sagt.
01:20:56: Irgendwie hat es aber niemand aus der Familie von den Geschwistern
01:20:59: zumindest so richtig gepackt, die Verbindung zu Rosie zu sehen.
01:21:02: Also, die haben sie irgendwie halt einfach nicht ...
01:21:05: Also, ich mein, Joseph war es schon aus so ein bisschen der Einzige,
01:21:08: von dem ich das jetzt weiß, aber ja, irgendwie ...
01:21:11: auch ein bisschen komisch, oder?
01:21:13: Ja, das ist so krass, weil letztendlich, was dann später
01:21:16: unter der Herrschaft von Hitler Menschen mit Behinderungen gemacht wurde,
01:21:20: ist ja noch grauenhafter als die Lage da war.
01:21:22: Also, darf man ja nicht vergessen, dass Menschen mit Behinderungen wurden halt ...
01:21:26: Also, die mussten quasi dann gemeldet werden, schon bei der Geburt,
01:21:30: durch die Arzt, blabla blabla, und dann ...
01:21:32: hat man die einfach weggenommen,
01:21:35: und dann hat man die in Konzentrationslage gesteckt.
01:21:38: Oder halt irgendwelche Experimente gemacht und so, also ...
01:21:41: Krass, okay. - Ja.
01:21:43: Aber damals war das ...
01:21:45: Ja, wobei, doch, das war ja schon zu Kriegsbeginn, ja, voll.
01:21:48: Also, irgendwie, keine Ahnung, aber Joseph stirbt dann auch im Krieg,
01:21:52: glaub ich, ich weiß gar nicht genau wann, aber ...
01:21:54: auf jeden Fall ... - Ja.
01:21:56: Ja, der Druck von Joey quasi etwas zu tun,
01:21:59: oder seine Familie oder seinen Ansieden zu schützen,
01:22:02: wird immer größer, also seiner Meinung nach so.
01:22:05: Mhm.
01:22:06: Es ist Mai 1941.
01:22:08: Joey und Rose sitzen am Frühstückstisch.
01:22:11: Rose rührt Gedanken verloren in ihrem Kaffee,
01:22:13: als Joey seine Zeitung, die Saturday Evening Post sinken lässt
01:22:17: und sie zu ihr hinüberschiebt.
01:22:19: Da, sagt er und deutet auf ein Artikel,
01:22:21: darüber hat mir Rosi's Doctor in London etwas erzählt.
01:22:24: Das könnte sie heilen, Rose.
01:22:26: Wir könnten sie heilen, und der ganze Wahnsinn
01:22:29: kann endlich ein Ende nehmen.
01:22:31: Rose zögert, sie ist neugierig, aber gleichzeitig glaubt sie nicht daran,
01:22:34: dass irgendetwas Rosi heilen kann.
01:22:36: Und sie findet auch nicht unbedingt, dass das nötig ist.
01:22:39: Und bleibt Rosi ein Geschenk Gottes.
01:22:41: Trotzdem ließ sie sich den Artikel durch.
01:22:44: Ein Artikel über die vermeintlich
01:22:46: bahnbrechende Methode von Freeman und Watts, die Lobotomie.
01:22:50: Mhm.
01:22:51: Freeman und Watts.
01:22:53: Mhm.
01:22:55: Okay, ja, erzähl weiter.
01:22:58: Weißt du, was die Lobotomie ist?
01:23:00: Nee, das weiß ich nicht, aber ich weiß, wer Freeman und Watts sind.
01:23:03: Okay. - Egal.
01:23:05: Ja, aber erzähl mal, was die Lobotomie ist, bitte.
01:23:07: Die Lobotomie geht auf die Leukotomie zurück.
01:23:10: Die wurde von dem Portugiesisch Neurologen Antonio Egas Monich.
01:23:14: Ich weiß nicht, Antonio Egas ... Monich?
01:23:17: Antonio Egas. - Egas, ja, wahrscheinlich.
01:23:20: 1935 entwickelt. - Nee, Egas.
01:23:22: Ich hab dir ein Bild von Antonio zu ...
01:23:24: Ich hab den angeguckt, dass er so krass portugiesisch aussieht.
01:23:27: Der könnte unser Onkel sein.
01:23:29: Das ist irgendwie voll stressistisch, dass sie über sich selbst sagen.
01:23:33: Aber er sieht wirklich aus, die Oglimerio, finde ich.
01:23:36: Das ist auch nicht. - Ich finde, er sieht auch übel aus wie Sator.
01:23:40: Also ... - Ja?
01:23:41: Das ist ja so lustig.
01:23:42: Ja, also, das ist funny, weil Marlis hat vollkommen recht.
01:23:46: Wir haben hier Antonio Egas Monich, wahrscheinlich.
01:23:49: Ich glaube, das ist Monich auch heißen.
01:23:51: Monich auf jeden Fall, aber beim zweiten haben wir uns sicher.
01:23:54: Aber ich glaub nicht, dass der Egas heißt.
01:23:57: Also, das wär jetzt schon sehr unportugiesisch.
01:23:59: Ja, voll.
01:24:00: Und ja, Marlis hat recht auch, er könnte mit uns verwandt sein.
01:24:04: Das ist wirklich so ... - Das ist ja so lustig.
01:24:07: Das ist mal cool.
01:24:08: Also, ich kann mir vorstellen, dass er sehr problematisch ist.
01:24:11: Deswegen entschuldige ich mich dafür, dass ich das so lustig finde.
01:24:15: Aber ihr könnt ihn euch angucken und dann so ungefähr
01:24:18: sehen unsere portugiesischen Onkels aus.
01:24:20: Oh, das ist so lustig. - Also, ich muss auch beschreiben.
01:24:23: Internationalisierter Rassismus, I don't know.
01:24:26: Nein, wieso denn? - Ja, oder?
01:24:27: Also, nicht alle Portugiesen sehen so aus wie er.
01:24:30: Er sieht einfach nur so aus wie unsere Portugiesen.
01:24:33: Ja, irgendwie schon.
01:24:34: Also, ich weiß nicht, er hat halt so ein ovales Gesicht.
01:24:37: Aber er hat auch diese Auge, diese Kundeaugen.
01:24:40: Die haben voll viel in unserer Familie.
01:24:42: Und irgendwie auch so ...
01:24:44: Also, wo die Wangenknochen sind und so,
01:24:46: und es passt irgendwie ... - Ja.
01:24:48: Ja, es passt einfach irgendwie.
01:24:49: Und er trägt so einen Anzug und so auf das Bild des Schwertweils.
01:24:53: Ich glaub halt auch, Opa sah früher ähnlich aus.
01:24:56: Also, ich hab halt so alte Bilder von mir.
01:24:58: Ja, können sein. - Okay.
01:24:59: Tatsächlich, also, er ist gar nicht so problematisch.
01:25:02: Der ist okay, problematisch. - Okay, das ist ja gut.
01:25:05: Er wollte Bereiche im Frontalappen durchtrennen,
01:25:08: damit Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression und schwere Angstdörm
01:25:11: geheilt werden können.
01:25:13: Weil er ist davon ausgegangen,
01:25:15: dass psychische Erkrankungen durch überaktive Nervenbahnen
01:25:18: verursacht werden.
01:25:19: Und er hat einfach nur ganz kleine Böhrlöcher im Schädel gemacht.
01:25:23: Dadurch wurden kleine Teile des Frontalapps uns entfernt oder zerstört.
01:25:27: Und es hat irgendwie tatsächlich auch zur Besserung geführt.
01:25:30: Also, anscheinend,
01:25:31: er hat im Jahr 1945 den Nobelpreis für seine Methode erhalten.
01:25:34: Das Ding ist, damals gab es noch gar keine Medikamente
01:25:37: für psychische Erkrankungen.
01:25:38: Und auch gerade so was wie Schizophrenie.
01:25:41: Warte mal ganz kurz.
01:25:42: Kann bitte irgendjemand so ein Neurolog,
01:25:44: falls wir hier Neurologen haben oder so Neuro, weiß ich nicht,
01:25:47: Science, bla, bla, bla,
01:25:48: könnt ihr bitte kommentieren, was im Gehirn passiert,
01:25:51: wenn man das durchtrennt?
01:25:52: Also, weil das ist ja komplett absurd, dass da eine Verbesserung ist,
01:25:56: aber vielleicht auch einfach nur, weil man da eine andere Krankheit hat.
01:25:59: Oder weißt du was da passiert? - Das Ding ist halt ...
01:26:02: Also, der Frontalappen, der ist jetzt nicht so für die krassesten Sachen,
01:26:07: wie irgendwie sprechen oder so was zuständig,
01:26:10: sondern das ist halt so bewusstes Denken,
01:26:12: vor allem, was da gesteuert wird, glaube ich.
01:26:14: Aber wie gesagt, das habe ich jetzt tatsächlich nicht so genau
01:26:17: nach recherchiert, was jetzt genau die Funktion von Frontalappen ist.
01:26:20: Also, da könnt ihr uns wirklich noch mal kommentieren oder schreiben,
01:26:24: um das noch mal zu berichtigen.
01:26:25: Aber auf jeden Fall gab es damals keine Medikamente
01:26:28: und keine Fremdpropagnen, nichts für Angst, nichts für Depression.
01:26:31: Und es hat halt tatsächlich auch ...
01:26:33: Also, ich glaube, gerade die Leukotomie
01:26:35: bei manchen Geholfen, dass die ruhiger wurden,
01:26:39: dass die weniger, also auch so weniger paranoid wurden und so was.
01:26:43: Also, Leukotomie, ne? - Ich frag jetzt nur über die Leukotomie.
01:26:47: Und nicht über die Lobotomie.
01:26:49: Weil die Lobotomie ist die Weiterentwicklung von der Leukotomie
01:26:52: eben durch Walter Freeman und James Watts,
01:26:54: die zusammengearbeitet haben.
01:26:57: Und Freeman ist da der Hauptakteur,
01:26:59: der einfach so ein bisschen eskaliert ist.
01:27:02: Also, der hat wie so eine fanatische Begeisterung
01:27:04: für diese Methode entwickelt.
01:27:06: Weil er irgendwie der Meinung war,
01:27:08: dass die Lobotomie eine revolutionäre Methode sei,
01:27:11: um psychische Erkrankungen zu heilen.
01:27:13: Ich habe ja auch ein Bild von Freeman und Watts,
01:27:15: wie sie tatsächlich auch gerade einen Eingriff machen mitgebracht.
01:27:19: Wie witzig, der eine Typ hat einfach so eine Maske an,
01:27:21: aber halt nicht über der Nase.
01:27:23: Ja, es haben doch voll viele Ärzte gehabt in der Pandemie.
01:27:26: Das ist Freeman. - Okay.
01:27:28: Also, man sieht auf dem Bild eben diese zwei Leute,
01:27:31: und die sind rechts und links von einer Person,
01:27:33: die auf einer Liege liegt.
01:27:35: Ich finde es voll krass.
01:27:36: Also, die Person sieht so aus,
01:27:38: als ob sie halt so eingewickelt wurde,
01:27:41: dass sie sich auch nicht mehr bewegen kann.
01:27:43: Ja, die war auch bei Bewusstsein. - Vielleicht ...
01:27:45: Genau, das war jetzt nämlich meine Vermutung gewesen,
01:27:48: dass die bei Bewusstsein war.
01:27:49: Und das ist ja mal so heftig.
01:27:51: Also, weil da wurde der halbe Schädel, wurde halt so abrasiert.
01:27:55: Und man sieht halt einen riesigen, blutigen Schnitt
01:28:00: quer über dem Schädel.
01:28:02: Also wirklich von der einen Schläfe bis ...
01:28:05: mindestens bis zur Mitte.
01:28:06: Und in der Mitte ist, glaub ich, auch noch mal von der Stirn,
01:28:11: quasi über den Scheitel, auch noch mal so ein Ding.
01:28:15: Und ich könnte jetzt vermuten,
01:28:16: dass es wahrscheinlich auch noch mal zur rechten Schläfe
01:28:19: weitergeht, dieser Schnitt.
01:28:20: Also, ich will mir nicht vorstellen,
01:28:23: wie das sein muss, wenn man dabei bewusst sein ist.
01:28:27: Wahrscheinlich fällt man dann irgendwann in Ohnmacht.
01:28:30: Und die zwei Ärzte, die gucken sich an.
01:28:32: Ich glaube, der rechte Mann, wer war das noch mal?
01:28:35: Der rechte ist Freeman.
01:28:36: Ja, der ist, glaub ich, ein bisschen älter als der Watts.
01:28:39: Und vielleicht hat der sogar ein Hitlerbärtchen.
01:28:43: Vielleicht hat der aber auch nur einen Schnauzbart.
01:28:46: Ja, doch, sieht schon nach einem Hitlerbärtchen aus.
01:28:49: Ja, also so ...
01:28:50: Ja, wobei ist vielleicht auch ein Schnauzbart.
01:28:52: Auf dem einen Bild ist variiert, je nach Haseur.
01:28:55: Genau. - Ah, okay.
01:28:57: Freeman hat dann tatsächlich diese Lobotomie weiterentwickelt.
01:29:01: Also, ich glaub, vielleicht auch beide, aber eher vor allem.
01:29:05: Weil ich war ein bisschen zu kompliziert.
01:29:07: Also, da irgendwie so Löcher reinwohren.
01:29:09: Freeman hat das vor allem gemacht.
01:29:11: Freeman. - Der Watts war irgendwie schon immer mit dabei.
01:29:15: Der Freeman war der Hauptakteur,
01:29:16: und der Watts war ein bisschen zurückhaltend
01:29:18: und dann war man ihm distanziert, wenn ich das richtig verstanden habe.
01:29:22: Aber Freeman hat eine vereinfachte Methode der Lobotomie entwickelt.
01:29:26: Und zwar steckte er ein Eispickel durch die Augenhölle ins Gehirn,
01:29:30: wühte einmal drin herum,
01:29:31: und Verbindung zu durchtrennen, und zog es wieder raus.
01:29:34: Ich hab dir davon auch ein Bild mitgebracht.
01:29:36: Du hast mir davon ein Bild mitgebracht.
01:29:39: Was ist denn mit dir?
01:29:40: Er hat quasi seine Methode aufgezeichnet
01:29:42: und hat gezeigt, wie man das macht.
01:29:44: Ah, okay, das Bild sieht viel weniger schlimmer aus,
01:29:47: als ich das denke.
01:29:49: Es sieht schon irgendwie echt eklig aus.
01:29:51: Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlt.
01:29:54: Aber ...
01:29:55: Man sieht hier eine Zeichnung, quasi ein Querschnitt.
01:29:58: Vom Gehirn sieht man quasi, und aber halt das Gesicht.
01:30:01: Man sieht halt, wie das Augenlied so hochgezogen wird.
01:30:05: Und dann geht man damit so einem langen Metall-Dings ...
01:30:09: Ein Eispickel rein. - ... in das Gehirn rein.
01:30:11: Ja, genau.
01:30:13: Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es einem ...
01:30:17: danach geht.
01:30:18: Sagen wir so.
01:30:20: Weil ich glaube, da wird ziemlich viel kaputt gemacht.
01:30:23: Ein Eispickel ist halt eigentlich auch so ein Ding, wo man ...
01:30:26: Also, was man so ...
01:30:27: Wenn man bei Gletschern und so, also so ...
01:30:30: Bergsteigt und klettert, ne?
01:30:32: Also, das ist halt einfach kein ...
01:30:34: Das ist wirklich kein chirurgisches Instrument.
01:30:37: Ähm ...
01:30:38: Ah, Mann, ähm ...
01:30:39: Dadurch wurde habe die Methode stark vereinfacht.
01:30:42: Jetzt war keine richtige Operation quasi mehr nötig,
01:30:45: sondern so einen ...
01:30:46: Reinstecken, Rumpfüllen, rausziehen, fertig.
01:30:48: Also, war so ein bisschen industrialisiert dann sozusagen.
01:30:51: Also ...
01:30:52: Massenabfertigung.
01:30:53: Ähm, tatsächlich hatte das bei Patienten mit schweren Erkrankungen,
01:30:57: wie schwer ist die Zyphrinie Depression oder Zwangsstörungen?
01:31:01: So eine Art Verbesserung.
01:31:03: Also aus damaliger Sicht, weil die Patienten waren dann
01:31:05: weniger aggressiv und ruhiger.
01:31:07: (Lachen)
01:31:08: Ich wollte grad sagen, sie wurden einfach ruhig gestellt,
01:31:11: weil ihr Gehirn nicht mehr funktioniert hat.
01:31:14: Sie waren ja eine Güte, das ist grauenhaft.
01:31:16: Es gab eben keine Medikamente,
01:31:18: und dadurch war es halt so die einzigste Methode.
01:31:20: Und dadurch auch bahnbrechend.
01:31:22: Aber ...
01:31:23: Die Lobotomie wurde eigentlich in der Regel
01:31:25: ohne die Zustimmung der Patienten durchgeführt.
01:31:28: In den meisten Fällen führte sie zu Langzeitschäden,
01:31:31: wie Verlust der Persönlichkeit, Emotionale Falligkeit,
01:31:34: Apathie oder schwere Behinderung.
01:31:36: Und viele Menschen sind doch einfach an den Folgen der Lobotomie gestorben.
01:31:40: Surprise.
01:31:41: Freeman hat ja auch einfach diesen ...
01:31:43: Die Menschen sind doch einfach nur so eklig.
01:31:45: Ja.
01:31:46: Weil Freeman einen Ice-Pickle verwendete,
01:31:49: der natürlich nicht dafür gemacht war,
01:31:51: in den Schädel gesteckt zu werden,
01:31:53: ist er auch manchmal einfach abgebrochen.
01:31:56: Und dann stecken geblieben.
01:31:58: Ähm, ja, und deshalb hat er aber wenigstens irgendwann mal
01:32:02: ein anderes Instrument entwickelt.
01:32:04: Er hat dann irgendein chirurgisches Instrument entwickelt,
01:32:07: um seine Ice-Pickle-Methode da durchzuführen.
01:32:10: Oh mein Gott.
01:32:12: Das muss doch weh tun.
01:32:14: Ja, stell dir vor, du hast dein Leben noch so ein Ice-Pickle im Gehirn
01:32:17: und damals gab es keine richtigen Schmerz.
01:32:19: Stell dir vor, du warst auf.
01:32:21: Und ja, genau.
01:32:22: Du hast einfach die ganze Zeit so Kopfschmerzen,
01:32:25: die safeheftiger sind als Begräne.
01:32:27: Ja, vor allem gab es damals nur Aspirin, so das war es.
01:32:30: Ja, klingt es was, was du für deine Tochter wollen würdest?
01:32:33: Nein.
01:32:34: Nein. - Nein.
01:32:37: Das dachte sich Abrose.
01:32:39: Der ja besser so, besser so, Alter.
01:32:42: Und ihre Tochter Kerst?
01:32:43: Ich muss sagen, ich hab so, weil ich hab so ganz wenig irgendwie
01:32:48: schon mitbekommen über diese verschwiegende Tochter.
01:32:51: Und jetzt wurde mir bisher die Geschichte erzählt.
01:32:54: Also ich kann mir vorstellen,
01:32:56: dass es auch vielleicht noch irgendwas Brutales passiert oder so.
01:32:59: Aber bisher muss ich so ein bisschen meinen Hut ziehen,
01:33:02: weil ich nämlich gedacht hab, diese Familie hat einfach Rosie
01:33:05: verstoßen und sie quasi von Beginn an weggegeben.
01:33:07: Aber es ist ja gar nicht so.
01:33:09: Es geht noch, ja, es ist gar nicht so.
01:33:11: Auch dieses, was wir jetzt die ganze Zeit gesagt haben,
01:33:14: mit dem, dass sie wollen, dass sie so besser wird und so was,
01:33:17: das muss ich vielleicht auch noch mal dazu sagen,
01:33:19: dass das bei allen Kindern so war.
01:33:21: Also sie hat diese Tagebücher über jedes Kind geschrieben,
01:33:24: bei jedem Kind dokumentiert, wie die Entwicklung war.
01:33:27: Das war zu da, man die ganze Zeit auch sehr normal.
01:33:30: Das war eben diese Scientific Motherhood,
01:33:32: dass halt den Müttern quasi beigebracht wurden,
01:33:35: die müssen alles ganz genau dokumentieren
01:33:37: und dann halt ihr eigenes Verhalten so anpassen,
01:33:40: die sie in der ganzen Zeit auch so gefördert haben.
01:33:42: Das war jetzt nicht nur so, weil sie eine Behinderung hatte,
01:33:46: sondern das haben die schon auch bei allen anderen Kindern gemacht.
01:33:50: Nur bei allen anderen Kindern war Rosie nicht so emotional involviert.
01:33:53: Da war sie sehr stark auf Gehorsam und Disziplin
01:33:56: und auch emotional distanziert, was ja auch der Zeitgeist damals war,
01:34:00: was man auch damals machen sollte.
01:34:01: Nur bei Rosie hat sie halt auch,
01:34:03: zum Beispiel auch wenn Rosie von ihren Schulen zurückgekommen ist,
01:34:07: hat sie mit ihrer Mutter immer zusammen
01:34:09: enge Bindungen so zueinander.
01:34:11: Also das war wirklich ... - Ja.
01:34:12: So wie es klingt, war Rosie das einzige Kind,
01:34:17: was Rose wirklich nah an sich herangehessen hat sozusagen.
01:34:20: Ah, krass, okay. - Das ist auch vielleicht noch mal so wichtig zu wissen,
01:34:24: dass es zwar schon auch darum ging, sie ...
01:34:26: Ich glaub, für Joey ging es ganz viel darum, sie zu reparieren,
01:34:29: aber ich glaub für Rosie, die halt auch,
01:34:32: als sie dann 1920 wieder zurückkam,
01:34:33: nachdem sie von ihrer Familie geflüchtet war,
01:34:36: war es so ein Ding von, ich werde jetzt Mutter sein,
01:34:38: ich werde das Beste für meine Kinder tun
01:34:40: und die beste Mutter sein, die ich sein kann.
01:34:43: Sie hat sich quasi zur Lebensaufgabe gemacht,
01:34:45: ihre Kinder optimal zu fördern,
01:34:47: weil das damals das optimale Bild war, was Mütter quasi haben.
01:34:50: Mhm. - Genau.
01:34:52: Und es wurde halt auch gesagt, dass eben Kinder, die normal sind,
01:34:56: sozusagen, dass die gar nicht so viel emotionale Nähe
01:34:59: von ihren Eltern bekommen sollen,
01:35:00: weil dass sie dann nur eben verhetschelt und zu weniger Disziplin
01:35:04: und zu schlechteren Menschen führt.
01:35:06: Und das war nicht nur so Nazi-Narrativ,
01:35:08: sondern es war halt, es galt halt auch in den USA und auch in Russland.
01:35:12: Also, genau. - Ja.
01:35:14: Wobei man da nur kurz der Anmerkung,
01:35:16: ich glaub, du hast es auch nicht mit Absicht gemacht,
01:35:19: aber natürlich nicht normal, sondern einfach nur die Kinder
01:35:22: ohne Behinderung. - Ja, genau.
01:35:23: Ich hab auch normal in Anführungszeichen gesagt, aber ...
01:35:26: Ah, okay, das hab ich gar nicht gesehen.
01:35:29: Was sieht man im Video?
01:35:30: Genau, aber es war auf jeden Fall so, dass Rosie ...
01:35:35: geliebt wurde von ihrer Familie oder zumindest von fast allen.
01:35:38: Rose halt ...
01:35:39: Das auch wirklich ...
01:35:41: Rose wollte diese Lobot ...
01:35:42: Sie hat sich durchgelesen, dachte ich, so und nix macht sie nicht.
01:35:46: Aber sie hat dann ihre Tochter Catherine,
01:35:48: die auch "Kick" genannt wird, diesen Artikel geschickt.
01:35:52: Weil "Kick" arbeitet als Journalistin.
01:35:54: Also, die hat studiert und arbeitet als Journalistin.
01:35:57: Und sie hat "Kick" gesagt, recherchier mal ein bisschen darüber.
01:36:00: Ich will wissen, was das wirklich ist
01:36:02: und ob das wirklich eine Option für Rosie ist.
01:36:05: Und dann hat sie geantwortet und schrieb,
01:36:07: "Oh, Mother, no, it's nothing we want done for Rosie."
01:36:10: Also, die Familie war quasi dagegen.
01:36:14: Rose war erleichtert über "Kick"s Antwort
01:36:18: und hat dann auch sehr wahrscheinlich Joey erklärt,
01:36:21: dass es für sie keine Option für Rosie war.
01:36:23: Aber Joey war da ... - Und Joey ist ja der Vater auch, ne?
01:36:27: Genau. - Also, ihr Ehemann Joey war da anderer Meinung.
01:36:31: Was damals passiert ... - Und das hat das Problem.
01:36:35: Ja, genau, das ist nämlich das Problem.
01:36:37: Weil Väter dürfen in Familien damals ein bisschen zu viel entscheiden.
01:36:41: Alles. - Für meinen Geschmack.
01:36:43: Dafür, dass sie überhaupt nicht involviert sind
01:36:45: in die Kindererziehung, dürfen sie alles entscheiden.
01:36:48: Ja, toll. - Und Rosie war ja zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause.
01:36:51: Die hat ja noch "Incent Gertrudes" gelebt.
01:36:54: Und ...
01:36:55: Jetzt kannst du ja wahrscheinlich reimen, was Joey gemacht hat.
01:36:58: Die hat das einfach veranlasst.
01:37:02: Der hat das der Mutter nicht gesagt und veranlasst.
01:37:05: Joey traf sich trotzdem mit Freeman.
01:37:07: Die Lobotomie war halt auch gar keine Methode
01:37:11: für Menschen mit geistiger Behinderung,
01:37:13: sondern eben für psychische Erkrankungen.
01:37:16: Es hat man bei Menschen mit geistiger Behinderung nicht gemacht.
01:37:19: Freeman hat Joey versichert, dass es trotzdem helfen würde.
01:37:23: Freeman war so ein ekliger Typ, der hat so richtig fanatisch einfach gerne ...
01:37:27: Der wollte das einfach machen? - Ja, der hat gerne ...
01:37:30: Also, zu Tage wär der wahrscheinlich so ein Serienmörder,
01:37:33: der so Menschen quält.
01:37:35: Und das war damals dann einfach legal,
01:37:37: man hat es deshalb nicht so genannt.
01:37:39: Ja. - Meine Güte.
01:37:40: Und ...
01:37:41: Genau, er hat eben einfach versprochen, dass Rosie ruhiger werden würde
01:37:46: und halt weniger aggressiv.
01:37:48: Und ... ja, ohne Rosie oder irgendjemanden sonst Bescheid zu sagen,
01:37:52: hat Joey einen Termin für Rosie's Lobotomie gemacht.
01:37:55: Und zwar so schnell wie möglich.
01:37:58: Mein ganzer Haar sammelt sich gerade für Joey, Alter.
01:38:01: Ich kann das nicht verstehen.
01:38:03: Weißt du, diese Love Story von Rose und Joey,
01:38:05: die beginnt halt noch so voll romantisch,
01:38:08: weil Rose will unbedingt mit ihm zusammen sein,
01:38:10: und die treffen sich heimlich und er ist so voll respektvoll
01:38:13: und beweist dann quasi dem katholischen Vater,
01:38:15: dass er gut genug ist und keine Ahnung war,
01:38:18: sondern am Ende ist er einfach nur so ein Politiker,
01:38:21: der Angst hat, um sein Anwesen anzunehmen.
01:38:23: Ansehen, ja.
01:38:24: Tatsächlich hat er auch irgendwie ...
01:38:26: Probleme gehabt.
01:38:27: Also, Joey hat halt eher seine eine Stelle verloren und so,
01:38:30: weil er halt auch einfach mit ihm war irgendwas nicht richtig.
01:38:34: Na ja, auf jeden Fall wissen wir auch gar nicht,
01:38:36: ob Joey zu Rosie gesagt hat, was passieren würde.
01:38:39: Und ob sie zugestimmt hat oder ob sie gezwungen wurde,
01:38:42: auf jeden Fall ist es so, dass sie ja zum Beispiel diese Haare hatte,
01:38:45: also diese braunen Locken, die auch relativ lang waren,
01:38:49: dann glaub ich, irgendwann, und die sie auch einfach geliebt hat.
01:38:52: Und es ist halt sehr unwahrscheinlich, dass sie zum Beispiel
01:38:55: so ein Kreativ-Bahn hat, dass ihr Kopf frasiert wird.
01:38:58: Ja, vor allem, weil ihr ja Mode ja auch voll viel bedeutet hat.
01:39:01: Das war ja ...
01:39:02: Hört sich an, als ob das wie so ein kreatives Hobby von ihr war.
01:39:05: Genau, und tatsächlich kann ich mir vorstellen,
01:39:08: dass wenn man sie heutzutage fördern würde,
01:39:10: dass sie dann irgendwo in der Modebranche Fuß finden würde,
01:39:13: weil halt so ein bisschen lesen und schreiben,
01:39:15: aber dann halt sich kreativ ausleben,
01:39:17: ich glaub, das wär schon möglich für sie gewesen.
01:39:20: Egal, auf jeden Fall haben ...
01:39:22: Joji hat mir einen Willen gemacht oder Joji hat ihr erzählt,
01:39:25: du wirst halt da operiert, und das wird dir helfen.
01:39:28: Und wahrscheinlich, aber also, das Ding ist halt wahrscheinlich,
01:39:31: wollte sie das einfach nicht.
01:39:33: Ich hab auch ein Bild mitgebracht, wie das so ablief,
01:39:36: die Patienten wurden nämlich in der Regel auch fixiert.
01:39:39: Von ... - Boah.
01:39:40: Ja, hast du's ...
01:39:41: Magst du beschreiben? - Nee, ich hab's gerade geöffnet.
01:39:45: Ja, also, ich finde, also ...
01:39:47: Boah, also, man hat eben in der Mitte so eine ...
01:39:50: wie so eine Patiententrage halt.
01:39:52: Und da liegt eben eine Person drauf.
01:39:55: Und die ist angekettet, soweit ich seh.
01:39:58: Und eigentlich sind am Rand von dieser Liege
01:40:01: sind aus so schnellen für die Hände,
01:40:03: aber in dem Fall ist es so,
01:40:05: dass oben diese Personen stehen auch ganz viele andere Personen.
01:40:08: Also, links stehen die ganzen Männer,
01:40:11: und rechts stehen irgendwie mehrere Frauen und zwei Männer.
01:40:14: Und die gucken halt alle ...
01:40:16: Ich nehm mal anders das Freeman zu.
01:40:18: Also, ich erkenne es daran, dass er eine Brille trägt,
01:40:21: die er so richtig angehabt hat.
01:40:23: Deswegen nehm ich an, dass das Freeman ist.
01:40:25: Was hat Freeman an?
01:40:27: Also, der hat erstens übelst die heftige Armbehaarung,
01:40:31: und der hat halt nur so ein Tanktop an, irgendwie.
01:40:34: Also ...
01:40:37: Ja, und halt in weiß gekleidet. - Ja.
01:40:39: Ich weiß auch nicht.
01:40:41: Und das auch jemand daneben, der hat auch dasselbe an.
01:40:44: Und bei dem ist jetzt so, da sind diese schnellen für die Hände,
01:40:48: werden da jetzt von so Schwestern festgehalten.
01:40:51: Und ich glaub, eine berührt auch so die Hand von ihr.
01:40:54: Also, das scheint irgendwie auch so was zu sein.
01:40:57: Weil das ist ja so eine Geste von emotionalem Support.
01:41:00: Oder allgemein Support so. - Ja.
01:41:02: Man sieht halt eben ihn, wie er, glaub ich, schon so das angelegt hat.
01:41:06: Man erkennt jetzt nicht, dass es ins Auge führt,
01:41:08: aber ich weiß ja, dass es ins Auge führt.
01:41:10: Mit so einem kleinen Hammer, und ich glaub,
01:41:12: er hemmert jetzt gleich diesen Eispickel da in die Person rein.
01:41:16: Und dann gucken, ganz gespannt zu.
01:41:18: So ein Knacken gehört, wenn der Eispickel dann so durchgegangen ist.
01:41:22: Hat man immer so, wie so ein Ploppen gehört.
01:41:24: Die Person wird ... - Ich find das voll,
01:41:26: darf ich kurz noch eine Beobachtung schildern.
01:41:29: Und zwar, man sieht nämlich die Gesichter von den Männern,
01:41:32: und man sieht das Gesicht von einer Frau.
01:41:34: Und ich find das irgendwie bezeichnend,
01:41:37: weil die allermeisten Männer gucken halt so auf den Prozess,
01:41:40: also schon irgendwie interessiert.
01:41:42: Vor allem dieser Mann mit dieser schwarzen Brille.
01:41:44: Die sieht sehr besorgt aus.
01:41:46: Und bei den Männern ist auch so ein Mann,
01:41:48: wo ich auch sagen würde, der sieht irgendwie besorgt aus.
01:41:51: Und ansonsten sehen aber alle eher so aus,
01:41:54: als ob sie da was lernen wollen.
01:41:56: Und das macht aber, finde ich, was mit der Stimmung.
01:41:58: Dadurch, dass da viele Leute sind, die so interessiert sind,
01:42:01: aber auch Gesichtsausdrücke, die eher besorgt aussehen,
01:42:04: erhält man irgendwie, dass es eine ziemlich krasse Situation ist.
01:42:08: Ich finde, die Frau ist die einzige Person, die sie anguckt,
01:42:11: die Person, die da liegt.
01:42:13: Und ich finde, die ist eigentlich eher auf Freemen.
01:42:16: Auf den Prozessen.
01:42:17: Ja, außer die, die direkt bei ihm sind.
01:42:19: Aber ich hab jetzt halt irgendwie gedacht,
01:42:21: also bei ganz hinten links ist nämlich der,
01:42:23: wo ich mir auch gedacht hab, also der so die helleren Haare hat
01:42:27: von den beiden, der guckt nämlich auf Freemen.
01:42:29: Aber ich finde, er sieht auch sehr bedrückt aus.
01:42:32: Ich find, wenn dann der hinter der Krankenschwester noch,
01:42:35: der guckt noch so auf die Frau auch oder auf den Mensch,
01:42:38: der da liegt, ich glaub, das ist eine Frau.
01:42:40: Ja, voll, voll. - Ich weiß nicht, warum ich das glaube.
01:42:43: Genau, war das bei Rosie sehr wahrscheinlich
01:42:46: genau so ein ähnliches Setting.
01:42:48: Also, sie wurde lokal analyskisiert.
01:42:50: Also, ich denke, ihr Kopf wurde irgendwie schon betäubt auf eine Art.
01:42:54: Aber sie war halt auf jeden Fall auch wach,
01:42:56: während des Eingriffs, damit die Ärzte
01:42:58: ihre Reaktion überprüfen konnten.
01:43:00: Und die haben einfach so zwei kleine Löcher in ihren Schädel gebohrt,
01:43:04: knapp über ihren Augen.
01:43:05: Und dort eben das chirurgische Instrument,
01:43:07: also den chirurgischen Eispickel eingeführt.
01:43:10: Und während des Eingriffs stellen sie Rosie einfache Aufgaben,
01:43:16: damit sie früh genug merken,
01:43:18: wenn irgendwelche Funktionen des Gehirns betroffen werden.
01:43:21: Also, wenn sie quasi den Eispickel zu tief reinstecken.
01:43:25: Aber das wird ja, glaub ich, auch heute noch gemacht.
01:43:28: Ja, ja, das ist gut. - Das ist sehr gängig.
01:43:30: Rosemary ist inmitten der Beantwortung einer Frage,
01:43:33: als sie plötzlich auf Vötze sprechen.
01:43:36: Das ist der Zeitpunkt, zudem so well what's,
01:43:40: als auf Freeman feststellen, dass etwas gewaltig schiefgegangen ist.
01:43:44: Ja, also eigentlich darf der Eispickel halt nicht so tief rein,
01:43:51: dass das irgendwelche Funktionen beeinträchtigt werden
01:43:54: oder dass es zu irgendeiner Blutung kommt oder so,
01:43:56: sondern halt wirklich nur minimal irgendwie in den Frontalappen.
01:44:00: Aber Freeman hat es halt schon zum Teil echt brutal gemacht,
01:44:03: also wie gesagt, einfach einmal so rumgerührt und wieder raus.
01:44:06: Ja, das hast du ja fast gemacht. - Der wollte einfach Menschen quellen.
01:44:09: So einfach Macht auch für ihn.
01:44:11: Ja, also Rosie hat diesen Eingriff überlebt,
01:44:14: aber sie konnte danach kaum noch sprechen.
01:44:16: Erst nach jahrelanger Physiotherapie konnte sie wieder laufen.
01:44:21: Und nach dem Eingriff war sie dann
01:44:23: auf dem Entwicklungsstand eines zweijährigen Kindes.
01:44:26: Ihr Leben lang war sie auf Pflege angewiesen
01:44:29: und direkt nach dem Eingriff, also Wochen beziehungsweise monatelange,
01:44:33: die die Anzeige an Incontinents- und Kontrollierten erbrechen
01:44:36: und unfassbaren Schmerzen.
01:44:38: Und kam deshalb dann auch ins Pflegeheim.
01:44:41: Korre, Junge, das ist ja so schlimm.
01:44:46: Wir wissen nicht sicher, wie die Familie auf Joys Nachricht
01:44:49: über Rosis Eingriff reagiert hat.
01:44:51: Weil wir gar nicht wissen, wann sie es erfahren haben.
01:44:55: Also viele der Geschwister erfuhr erst Jahre nach dem Eingriff,
01:44:58: was passiert ist.
01:45:00: Joey hat sehr lange versucht, das alles geheim zu halten.
01:45:03: Also hat auch versucht, Rose nichts zu erzählen.
01:45:06: Und irgendwie muss Joey alle unter Druck gesetzt haben,
01:45:10: nicht darüber zu sprechen.
01:45:12: Weil Rose dann tatsächlich, also Rosie dann tatsächlich
01:45:15: von der Bildfläche verschwindet.
01:45:17: In Familienbriefen nicht mehr erwähnt wird.
01:45:20: Von Familienfotos, also wenn die so an Weihnachten
01:45:22: Karten geschickt haben, wird Rosie nicht mehr erwähnt.
01:45:25: Also sie wird einfach nicht mehr erwähnt.
01:45:27: Es wird so getan, als ob sie nicht mehr da wäre.
01:45:30: Und die einzige Person, die sie im Pflegeheim besucht,
01:45:33: ist auch Joey, aber er besucht eigentlich nicht wirklich sie,
01:45:36: sondern er besucht halt nur die Ärztin, mit denen zu sprechen.
01:45:39: Also es schweigen alle über den Vorfall und ...
01:45:42: Das war ein Arschloch.
01:45:43: Als ich das gelesen habe, war ich mega entsetzt.
01:45:46: Weil ich mir dachte, warum schweigen alle?
01:45:48: Ich hab das nicht verstanden.
01:45:49: Ich dachte, warum sagt Rose nichts?
01:45:51: Warum ist sie nicht wütend? Warum verlässt sie ihn nicht?
01:45:54: Warum geht sie nicht zu Rose? Ich hab's nicht verstanden.
01:45:57: Ich hab viel für sie eingesetzt.
01:45:59: Dann kam aber der Wendepunkt, weil 1961 hatte Joey einen Schlaganfall.
01:46:03: Und konnte nicht mehr sprechen und war handlungsunfähig.
01:46:06: Also er konnte gar nichts mehr.
01:46:08: Und auf einmal fing die ganze Familie an,
01:46:11: Rosie wieder zu besuchen.
01:46:13: Auch Rose, also ihre Mutter.
01:46:17: Und eine der Schwestern berichtet oder hat erzählt,
01:46:21: dass der erste Besuch der Mutter, also von Rose,
01:46:26: extrem emotional war.
01:46:28: Rosie hat ihre Mutter angegriffen, hat sehr aggressiv reagiert.
01:46:33: Und hat sie richtig attackiert.
01:46:37: Und obwohl sie auf dem Entwicklungsstand von einer Zweijährigen war
01:46:40: und sehr stark eingeschränkt, hat sie schon noch verstanden,
01:46:44: dass das, was ihre Mutter ja angetan hat
01:46:47: und dass sie zusätzlich noch 20 Jahre gewartet hat,
01:46:50: um sie wieder zu besuchen.
01:46:51: Einfach unmenschlich und schlimm war.
01:46:54: Und es hat einfach so komplett, glaube ich,
01:46:57: die Beziehung zwischen den beiden erschüttert.
01:47:00: Die Beziehung war ja davor sehr eng.
01:47:02: Und die hatten regelmäßig Kontakt, aber sehr distanziert auch.
01:47:06: Ja, ich finde, das ist auch ein Hinweis darauf, dass eben diese ...
01:47:11: Man sagt es ja, also es ist normal, dass man das sagt,
01:47:14: mit dem Auf-dem-Entwicklungsstand von XYZ und so.
01:47:18: Aber das ist halt eben, dass man das so gar nicht festmachen kann
01:47:22: an Entwicklungsständen von Menschen ohne Behinderung,
01:47:26: weil Menschen mit Behinderung eben ganz eigene Entwicklungsstände haben.
01:47:30: Und auch da finde ich, das ist halt ein krasser Hinweis darauf,
01:47:34: dass sie viel komplexere Sachen war,
01:47:37: also auch wahrnehmen und auch einschätzen konnte.
01:47:41: Weil ich, also ich finde, es ist schon ein erheblicher Unterschied zu,
01:47:45: zum Beispiel der Reaktion von einem Zweijährigen.
01:47:48: Also so. - Ja.
01:47:49: Und das ist also, ja, ich glaube auch, wenn ich roh, sie wäre.
01:47:53: Das zeigt ja auch, dass sie sich erinnern konnte irgendwie.
01:47:57: Also dass sie ja schon das noch einordnen konnte
01:47:59: und wusste, dass das irgendwie ... - Ja, ich glaube halt,
01:48:02: genau das Problem von dieser Formulierung ist nämlich auch,
01:48:06: dass man erst, also man nimmt ja Kinder zum Beispiel,
01:48:09: auch schon in the first place nicht ernst.
01:48:11: Also dass man eben sagt, die ist ach, die checkt das noch nicht.
01:48:15: Und das ist nämlich auch das, was das Aussagen soll,
01:48:17: die ist auf dem Stand von einer Achtjährigen oder von einer Zweijährigen,
01:48:21: die checkt das gar nicht.
01:48:22: Aber es stimmt halt nicht, es ist einfach unwahr so.
01:48:25: Und das ist halt auch das Problem an dieser Formulierung,
01:48:29: dass man eben Menschen damit unmündig macht.
01:48:31: Ich finde, man sieht an diesem Beispiel, an dieser Reaktion von Rosie,
01:48:35: dass es eben nicht stimmt.
01:48:36: Sondern dass es einfach der Entwicklungsstand ist,
01:48:39: von einem Menschen mit Behinderung, der genau das alles erlebt hat,
01:48:43: was Rosie erlebt hat.
01:48:44: Und wir können das einfach gar nicht anders kategorisieren,
01:48:47: dass es das einzige, was sie halt mit einem zweijährigen Kind quasi
01:48:51: gemeinsam hat, ist, dass sie nicht vollständige Sätze formulieren kann,
01:48:54: dass sie halt nur wackelig laufen kann.
01:48:56: Und dass sie wahrscheinlich halt irgendwie auf körperliche Pflege
01:48:59: angewiesen ist.
01:49:01: Oder also nicht nur wahrscheinlich.
01:49:02: Und das ist doch interessant, oder?
01:49:04: Weil bei Joey, der ja einen Schlaganfall hatte,
01:49:07: würde man das nicht sagen.
01:49:08: Obwohl man das wahrscheinlich auch sagen würde.
01:49:10: Und ich finde, man sieht halt anhand dieser Linie ganz genau,
01:49:14: dass Menschen mit Behinderung einfach nur unmündig gemacht werden,
01:49:17: dass man einfach sie nicht ernst nimmt,
01:49:19: in ihrem Gefühlsleben, in ihrem Innenleben
01:49:22: und auch in ihren Wünschen.
01:49:23: Also das ist ja eigentlich genau das so.
01:49:26: Und das ist meiner Meinung nach auch nichts anderes.
01:49:29: Ich hab so, als ich das gelesen hab mit dem Schlaganfall von Joey,
01:49:32: ich hab sie mir so gegönnt.
01:49:34: Ich war so, ich dachte mir, boah, die geschieht das so recht so.
01:49:37: Nicht mehr sprechen, handlungsunfähig.
01:49:40: Und jetzt guckt ihr mal an, was die Leute jetzt mit ihr machen.
01:49:43: Ich hoffe, nichts Gutes.
01:49:44: Das war so eine richtige Wut, die ich einfach hatte.
01:49:46: Das ist einfach das Beste, was dieser Familie passieren könnte.
01:49:50: Schade, dass es nicht schon 20 Jahre vorher passiert ist.
01:49:53: Ja, vor allem ... - Ich glaube halt, nein.
01:49:55: Diese rache Gedanken und so was passieren.
01:49:57: Ja, das ist voll fies, das so zu denken.
01:49:59: Auch dieses Jahr, dass er dann irgendwie schlecht behandelt wurde.
01:50:03: Aber ich glaube, es war irgendwo ...
01:50:05: Also wenn es einen Gott gibt, dann war das halt einfach ...
01:50:08: Gottes Gerechtigkeit, weil es einfach so war so.
01:50:10: Das hast du deiner Tochter angetan.
01:50:13: Und jetzt darfst du selbst noch erfahren, was das bedeutet quasi.
01:50:16: Da in dem Fall sogar noch die besseren Karten als er.
01:50:19: Sie konnte ja trotzdem noch ein bisschen sprechen
01:50:22: und konnte auch noch ein bisschen laufen.
01:50:24: Dadurch, dass Joey dann von der Bildfläche verschworen hat,
01:50:27: ich weiß auch nicht, ich frag mich,
01:50:29: ich hab mich seitdem ich das gelesen habe,
01:50:32: was er zu seiner Familie gesagt hat, was so heftig war,
01:50:35: dass die sie nicht besucht haben.
01:50:37: Weil ich meine, die waren ja alle erwachsen.
01:50:39: Irgendwas muss er ja wirklich ...
01:50:41: Wahrscheinlich hat er gesagt, ich drehe euch komplett den Geld an zu.
01:50:45: Ich hab jetzt eher gedacht, dass er damit getroht hat,
01:50:48: dass die ... also, dass Rosie dann einfach quasi umgebracht wird.
01:50:53: Er stimmt. - Ja.
01:50:54: Ja, stimmt. - Ja, natürlich.
01:50:56: Weil ich ...
01:50:58: Und es macht halt auch Sinn,
01:50:59: dass er dann auch immer mit den Ärzten Kontakt hatte.
01:51:02: Ich hatte ja mit den Ärzten Kontakt, um herauszufinden,
01:51:05: ob die Besucher hatten. - Ja, krass.
01:51:07: Also, normal ist es nicht.
01:51:08: Ich fand es auch sehr auffällig, dass dann alle auf einmal
01:51:11: sie wieder besuchen und zum Teil sehr regelmäßig.
01:51:14: Es kommt halt wirklich super regelmäßig.
01:51:16: Sie kümmert sich viel um Rosie.
01:51:18: Sie hat weiterhin eine enge Bindung zu ihr.
01:51:20: Und sie gründete auch später die Special Olympics.
01:51:23: Ich weiß nicht, ob dir das was sagt,
01:51:25: aber das ist halt quasi so ...
01:51:27: wie so olympische Spiele für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.
01:51:30: Und ... - Ah, krass.
01:51:32: Genau, also, sie sagt zwar nie irgendwie direkt,
01:51:34: dass es mit Rosie zusammenhängt, dass sie die gegründet hat,
01:51:38: aber es ist ja schon eigentlich sehr ...
01:51:40: Sie interessiert sich auch sehr für diesen Bereich.
01:51:43: Ja, also, ich find's auch einfach ...
01:51:45: richtig, richtig krass, was Joey da sich da einfach geleistet hat.
01:51:48: Weil, also, ich kann mir nicht ...
01:51:50: Ja, Muskel droht haben, Rosie umzubringen.
01:51:53: Weil ich glaube, die meisten hätten darauf nicht reagiert,
01:51:56: hätte er gesagt, ich dreh euch den Geldhahn zu,
01:51:59: weil ich mein so kick und so, die hatten ja alle auch Jobs.
01:52:02: Die waren wahrscheinlich finanziell auch unhängig.
01:52:05: Auch Junis war verheiratet, die hat auch so ein Öl geheiratet oder so.
01:52:08: Also, die war halt auch ...
01:52:10: Die waren halt alle auch eh unabhängig.
01:52:12: Ja, ich glaube halt, vor allem wäre das auch das Einzige gewesen,
01:52:16: was Rosie halt ... was Rose davon abgehalten hätte.
01:52:19: Ja, eben. - Also ...
01:52:20: Weil Rose hätte sie ...
01:52:22: Rose hat ihn auch nicht verlassen aus irgendeinem Grund,
01:52:25: wo ich auch glaube, dass es nur da ...
01:52:28: Also, es muss auch Erpressung oder so gewesen sein,
01:52:30: weil sie hat ihn ja eigentlich schon so oft vorher verlassen wollen.
01:52:34: Und hat's da nur nicht gemacht wegen der Kinder.
01:52:37: Ja, und hat's ja auch teilweise gemacht.
01:52:39: Ja.
01:52:40: Rosie starb am 7. Januar 2005 im Alter von 86 Jahren
01:52:44: in der Nähe des Pflegeheims,
01:52:46: wo sie die ganzen Jahre nach dem Eingriff verbracht hatte.
01:52:49: Und weil sie eben nach diesem Eingriff nicht mehr dazu in der Lage war,
01:52:54: vollständig Gesetze zu verfassen oder zu schreiben oder sonst irgendwas,
01:52:57: wissen wir leider auch bei der ganzen Geschichte nicht so richtig,
01:53:01: was ihre Perspektive dieser ...
01:53:03: Dinge war.
01:53:05: Leider.
01:53:08: Ich hab dir aber trotzdem noch mal zum Abschluss
01:53:11: ein paar Bilder von ihr mitgebracht aus dem Pflegeheim
01:53:14: und dann auch noch mal ein paar Bilder von ihrem wunderschönen Strahlenlachen
01:53:18: vor dem Eingriff.
01:53:19: (Lachen)
01:53:20: Das ist echt richtig süß.
01:53:22: Also, ja, man sieht eben ...
01:53:24: Auf einem Bild sieht's sogar so aus, als ob sie geheiratet hätte.
01:53:27: Nee, das ist ... - Vielleicht ist es auch nur so ihr Modem.
01:53:30: Das ist debutant in 'nen Ball. Also, sie hat auch debattiert.
01:53:33: Ja, das ist so ... Sorry, das ich jetzt wieder ...
01:53:36: Das ist schon ein bisschen lustig, weil auf links oben dieser Bild ...
01:53:39: Wie kann das jetzt bitte sein, dass dieser Typ,
01:53:41: der da so ist, genauso aussieht wie unser deutscher Onkel?
01:53:44: (Lachen)
01:53:45: Ja, oder?
01:53:47: Hä?
01:53:48: Das ist ja so süß.
01:53:49: Ich fand aber generell irgendwie, dass die Kennedy's ...
01:53:52: irgendwie unser Familie auch ...
01:53:54: Ich weiß nicht, warum, aber ich hab auch die ganze Zeit so gedacht,
01:53:57: dass die irgendwie so ein bisschen ... dir ähnlich sieht, die Rosie.
01:54:00: Ja, ich hab das auch die ganze Zeit schon gedacht.
01:54:03: Ja, aber ich find ... - Das ist ja so ultra lustig.
01:54:05: Ich hab dann mit einem von ihrem Brüdern
01:54:07: nicht so richtig herausgefunden, welche hätte ich googlen können,
01:54:11: die alle aussehen.
01:54:12: Aber da hatte ich jetzt auch nicht so Lust.
01:54:14: Dann hat eben noch mal so 'n Foto mit ihren Schwestern,
01:54:17: die sie halt besucht haben und dann ...
01:54:19: ja, noch mal zwei Bilder von ihr, wo sie jung war
01:54:21: und wie sie einfach nur so richtig hübsch gelacht hat.
01:54:24: Ja, voll. Auch auf dem Bild, wo sie dann schon älter ist,
01:54:27: lacht sie ja auch voll süß. - Sie lacht sich ...
01:54:29: Das ist das einzigem Bild, wo man halt schon so ...
01:54:32: Ja, voll, also ganz um links,
01:54:33: und dann sieht sie halt nicht nügt aus.
01:54:35: Sie kuschelt so ein bisschen nach oben.
01:54:37: Da lächelt sie jetzt nicht ganz so doll.
01:54:40: Aber sie scheint sich auch wohlzufühlen,
01:54:42: weil sie kuschelt sich ja auch so an ihren Bruder und so.
01:54:45: Ja. - Und ...
01:54:46: Ja, und in dem Bild unten ...
01:54:48: Sieht aus, als ob sie irgendwie Blödsinn macht.
01:54:50: Als ob sie irgendwas in der Hand sieht,
01:54:52: als sie damit Quatsch macht.
01:54:54: Ja, ich glaub, es war für sie tatsächlich echt schön,
01:54:57: dass ihre Geschwister sie dann doch wieder besuchen konnten,
01:55:00: gegen Ende, nachdem ihr Vater dann eben gestorben war.
01:55:02: Und wenn sie einfach aus der Hölle gewesen sind,
01:55:05: und viele von ihren Geschwistern
01:55:06: sind tatsächlich auch in der Zeit dann einfach verstorben.
01:55:09: Sie konnte auch gar nicht alle dann wiedersehen.
01:55:12: Ja. - Krass, ja.
01:55:13: Boah, das ist ja so schlimm auch.
01:55:15: Ich glaube auch, dass tatsächlich ...
01:55:18: 1961 auch JFK erschossen wurde.
01:55:22: Ähm, 1961, ja, das haut hin. - Ja.
01:55:26: Nee, '63, also zwei Jahre nach dem ...
01:55:30: Ähm ...
01:55:31: zwei Jahre nachdem Joey den Schlagernfall hatte,
01:55:34: wurde dann ...
01:55:35: ihr Bruder JFK erschossen.
01:55:37: Ja.
01:55:38: Okay.
01:55:40: So.
01:55:41: Ist das jetzt das Ende der Geschichte auch?
01:55:43: Das ist das Ende der Geschichte, ja, mehr gibt's nichts zu erzählen.
01:55:46: Aber ich hab noch was Kleines zu erzählen.
01:55:49: Und zwar ...
01:55:50: Also, ich fass das jetzt auch nur zusammen.
01:55:52: Wir haben ja versprochen, es ist Wahlkampf,
01:55:55: wir gucken, was sagen unsere Parteien zu den Themen.
01:55:58: Und ich kann euch jetzt schon so viel zu erraten.
01:56:01: Im Hinblick auf Menschen mit Behinderung ...
01:56:04: äh, ist es ...
01:56:06: Also, könnt ihr wählen, meiner Meinung nach, die Linke und die Grüne,
01:56:11: wenn ihr nicht wählen könnt,
01:56:13: ist CDU, CSU, SPD könnt ihr schon auch noch wählen.
01:56:17: Auf jeden Fall nicht AfD
01:56:19: und auf jeden Fall nicht ...
01:56:21: BSSW, also Bündnis Sarah Wagenknecht.
01:56:25: Ich hab nämlich die Wahlprogramme durchgelesen.
01:56:28: Und ich erzähle euch jetzt einmal ganz kurz, CDU, CSU.
01:56:31: Erst mal interessant fand ich, der erste Satz war,
01:56:34: Menschen mit und ohne Behinderung leben gemeinsam und gleichberechtigt.
01:56:38: Also, das Ziel oder ...
01:56:41: Nee, nee, das ist quasi einfach nur eine Aussage über den Istzustand.
01:56:45: Und dann sagen sie, aber wir sind noch nicht am Ziel.
01:56:48: Und das ist irgendwie so ein bisschen komisch.
01:56:51: Auf jeden Fall wollen sie irgendwie mehr Chancen
01:56:53: für einen inklusiven Arbeitsmarkt fördern
01:56:56: und wollen Förderschulen eben fördern,
01:56:59: genauso wie Inklusionsangebote für Schüler*innen.
01:57:02: Sorry, sie wollen Förderschulen eben.
01:57:04: Sie wollen auch mehr Achtsamkeit ...
01:57:06: Fördern.
01:57:07: Ja, also insgesamt kann man hier sagen, es ist eher Waage.
01:57:10: Es fehlt absolut an Konkretheit
01:57:12: und die Vorschläge sind eher allgemein formuliert.
01:57:15: Also, man sagt zum Beispiel, man möchte passgenaue Impulse
01:57:19: für einen inklusiven Arbeitsmarkt,
01:57:20: aber keiner weiß, was es bedeuten soll.
01:57:23: Schwierig ist auch, dass der Fokus hier mehr auf Werkstätten
01:57:26: und Schulen etc. gelegt wird, anstatt dass man sagt,
01:57:28: man möchte eigentlich Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt,
01:57:31: auf dem regulären Arbeitsmarkt haben.
01:57:33: Also, darauf könnte man tatsächlich auch fokussieren,
01:57:36: machen sie aber nicht.
01:57:37: Und es werden auch so ...
01:57:39: Ja, also es werden auch so Chancen der Digitalisierung
01:57:42: irgendwie angesprochen,
01:57:43: aber auch hier wird halt eben überhaupt nicht gesagt, inwiefern
01:57:47: und es fehlt halt auch komplett an so konkreten Maßnahmen
01:57:49: und auch langfristigen Zielen und Visionen.
01:57:52: AfD, also sag ich auch nur ganz kurz,
01:57:56: die möchten irgendwie eine bessere Teilhabe
01:57:58: im gesellschaftlichen Leben und eben auch hier
01:58:00: die Förderschulen erhalten.
01:58:02: Sie möchten irgendwie bürokratische Auflagen abschaffen,
01:58:06: damit die Fahrzeuge von Menschen mit Behinderungen
01:58:09: auch quasi von deren Angehörigen gefahren werden dürfen.
01:58:13: Also, ich find's nicht komplett absurd, aber irgendwie ...
01:58:18: Also, es ist jetzt nicht das erste, woran ich denken würde,
01:58:21: sagen wir so.
01:58:22: Und sie möchten den Mindestlohn quasi ermöglichen
01:58:25: und die Menschen von Werkstätten ist eine gute Sache.
01:58:28: Aber auch hier eben ...
01:58:30: Also, es sind Sachen innerhalb des Systems.
01:58:33: Es wird nicht außerhalb des Systems gedacht.
01:58:35: Und die Message dahinter ist schon so,
01:58:37: ja, Menschen mit Behinderung bleibt einfach abgeschottet
01:58:40: von der Gesellschaft und viel mehr wollen wir auch nicht für euch machen.
01:58:44: Ach so, du könntest aber noch sagen,
01:58:45: dass die CDU aber diese Registrierungen will
01:58:49: von Menschen mit psychischen Erkrankungen.
01:58:51: Das gilt auch für Menschen mit Behinderung,
01:58:53: weil es ja genau das, was in der NS-Zeit auch gemacht wurde.
01:58:57: Weiß ich gar nicht, aber ...
01:58:58: Hab ich gar nicht gelesen, ehrlich gesagt.
01:59:01: Keine Ahnung.
01:59:02: Naja.
01:59:03: So, Bündnis Sarah Wagenknecht, was glaubst du,
01:59:06: was haben die über Menschen mit Behinderung geschrieben?
01:59:09: Richtig, gar nichts.
01:59:11: (Lachen)
01:59:12: Im Wahldings von BSW.
01:59:13: Also, sie sagt, sie fordern irgendwie eine konsequentere Umsetzung
01:59:17: der UN-Behindertenrechtkonvention im Bund und Ländern.
01:59:20: Und das war's.
01:59:21: Also, da steht wirklich Einsatz.
01:59:23: Mehr steht da auch nichts mit Behinderung und so.
01:59:26: FDP können wir skippen, ist komplett unnötig.
01:59:29: Auch die sagen irgendwie Förderschulen bleiben unverzichtbar.
01:59:33: Und irgendwie ...
01:59:34: Ich glaube, die sagen einfach, es bleibt alles so, wie es ist.
01:59:37: Aber sagen's netter. - SPD.
01:59:39: Ja, sie sagen's nett, aber auch die haben wirklich nur so ...
01:59:42: Also, sie sagen's nicht nett, sondern sie verpacken ihre ...
01:59:45: Sie verpacken ihren Ableismus-Netz, sagen wir's mal so.
01:59:48: Ja, voll voll.
01:59:50: So, das erste vielversprechendere Konzept bietet die SPD.
01:59:53: Die SPD sagt, sie möchte Barrierefreiheit
01:59:56: im privaten und öffentlichen Bereich verbessern.
01:59:58: Sie wollen private Anbieter von Waren und Dienstleistungen
02:00:01: eben auch dazu verpflichten, dass sie Barrieren abbauen,
02:00:04: wo's möglich ist.
02:00:05: Und sie sollen halt eben auch bestimmte Vorkehrungen getroffen werden.
02:00:09: Das Problem ist halt eben die Formulierung, wo es möglich ist.
02:00:12: Das bietet natürlich einen sehr großen Spielraum so.
02:00:15: Nur niemanden, wann's beinpinkeln.
02:00:17: Genau.
02:00:19: Und dasselbe wollen sie auch im Wohnungsbaum,
02:00:21: Mobilität, Digitalen und Gesundheit,
02:00:23: aber halt eben auch hier im Rahmen des Möglichen.
02:00:25: Den Rahmen kann man ja auch immer selber irgendwie festsuchen,
02:00:28: wenn man das möchte.
02:00:30: Was sie machen wollen, das find ich gut,
02:00:32: ist die Aufnahme der Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu fördern.
02:00:36: Also, dass eben Menschen mit Behinderungen
02:00:38: eben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auch arbeiten können.
02:00:41: Und sie möchten Werkstätten weiterentwickeln,
02:00:44: also die Einkommenssituation verbessern.
02:00:46: Die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:00:49: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:00:52: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:00:55: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:00:59: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:02: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:05: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:08: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:12: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:15: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:18: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:21: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:24: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:27: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:30: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:34: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:37: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:40: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:44: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:47: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:50: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:53: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:01:57: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:00: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:03: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:07: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:10: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:13: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:17: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:20: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:24: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:27: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:31: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:35: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:38: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:42: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:45: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:49: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:53: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:02:56: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:00: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:04: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:07: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:11: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:14: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:18: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:22: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:25: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:29: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:33: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:37: Und die Einkommenssituation wird auch immer wieder auf der Seite.
02:03:40: Dann möchten Sie den Mindestlohn in Behindertenwerkstätten,
02:03:44: auch geile Forderungen und wohnortnahe Versorgung.
02:03:47: Und das soll zur kommunalen Pflichtaufgabe werden.
02:03:50: Auch eine gute Forderung.
02:03:51: Auch die Grünen haben sich überlegt, was sie machen wollen.
02:03:55: Und die wollen eine inklusive Gesellschaft schaffen,
02:03:58: in der Menschen mit Behinderung gleichberechtigt
02:04:00: und auch selbstbestimmt teilhaben können.
02:04:02: Der Maßstab ist dabei,
02:04:04: die Behindertenrechtskonvention der UN.
02:04:06: Das ist ein starkes Zeichen,
02:04:08: dass man eine umfassende Inklusion in allen Bereichen hat.
02:04:12: Es soll auch eine Untersuchungskommission,
02:04:14: Inklusion unter Beteiligung von Betroffenen geben.
02:04:17: Untersuchungskommissionen sind immer kritisch.
02:04:20: Ihr erinnert euch bestimmt auch an die Untersuchungskommission
02:04:23: zur Abtreibung.
02:04:25: Als da dann Ergebnisse draußen waren, wurde halt nichts gemacht.
02:04:28: Es ist oft so ein bisschen Zeitschindung, würde ich sagen.
02:04:31: Außerdem sollen die Gebäude des Bundes
02:04:33: innerhalb von zehn Jahren barrierefrei werden
02:04:36: und Arbeiter*innen von öffentlichen Angeboten und Dienstleistungen
02:04:40: sollen auch barrierefreiheit umsetzen.
02:04:42: Hier gibt es noch so eine Überforderungsklausel
02:04:44: für kleinere Unternehmen.
02:04:47: Ansonsten geht es hier darum, barrieren abzuschaffen.
02:04:50: Menschen mit Behinderung sollen außerdem ihr Potenzial
02:04:53: auf dem Arbeitsmarkt bringen können.
02:04:56: Das soll quasi ermöglicht werden,
02:04:58: indem man das Werkstättensystem
02:05:00: in Inklusionsunternehmen weiterentwickelt.
02:05:03: Dort soll es dann mindestens den Mindestlohn geben
02:05:06: und auch Rentenansprüche.
02:05:08: Außerdem sollen sozialrechtliche Ansprüche bei Behörden
02:05:11: beschleunigt werden und Menschen mit Behinderung
02:05:13: sollen selbst entscheiden, wo und wie sie wohnen.
02:05:16: Und es soll auch inklusive Wohnformen gefördert werden.
02:05:20: Außerdem soll auch der Wunsch nach einem Wahlrecht gestärkt werden,
02:05:26: was eben auch eine zentrale Forderung von vielen Betroffenen ist.
02:05:29: Also Wahlrecht im Hinblick auf diese Frage nach Wohnort.
02:05:34: Das persönliche Budget von Menschen mit Behinderung
02:05:36: soll jetzt statt Dienst- oder Sachleistungen
02:05:38: eben Geldleistungen oder auch Gutscheine sein.
02:05:41: Das finde ich nicht ganz optimal, vor allem das mit den Gutscheinen,
02:05:44: weil es eben doch noch eine Form von Beformundung ist,
02:05:47: meiner Meinung nach.
02:05:49: Ansonsten wird auch Gewaltschutz betont,
02:05:51: weil bzw. diese Gewaltschutz soll dann in Einrichtungen
02:05:57: der Behindertenhilfe ausgebaut werden.
02:05:59: Und auch das finde ich eine sinnvolle Maßnahme,
02:06:02: wie es ja eben auch bei den Linken waren.
02:06:05: Hier haben wir eben sehr große Pläne,
02:06:06: aber leider wenige konkrete Details, wie das eben umgesetzt werden soll.
02:06:10: Die Finanzierung ist auch nicht ganz geklärt, aber ja,
02:06:15: also trotzdem ist es so, dass die Grünen ja auch eine der Parteien sind,
02:06:18: die halt zumindest ein finanzierbares Modell dargelegt haben,
02:06:22: insgesamt im Wahlkampf.
02:06:23: Also, ja, zehn Jahre sind ja auch recht lang.
02:06:26: Auch hier ist halt eben die Frage, okay,
02:06:29: eigentlich sind diese Maßnahmen schon sehr dringlich,
02:06:32: wenn man sich auch eben die Lebenslage von Menschen mit Behinderungen anguckt,
02:06:34: aber ja, vielleicht ist es realistischer, ich weiß es nicht.
02:06:38: Und eben diese Beratungskommission, das hatte ich ja schon gesagt,
02:06:42: ist halt Zeitschindungen.
02:06:44: Und das waren jetzt auch erst mal die größeren Parteien.
02:06:46: Ja, ich hoffe, ihr konntet was mit der Einordnung anfangen.
02:06:49: Und je nachdem, was euch natürlich wichtig ist,
02:06:51: oder wenn ihr auch Menschen mit Behinderung in eurem Leben habt
02:06:54: oder mit ihm befreundet seid,
02:06:56: dann könnt ihr ja auch mal fragen, was denen wichtig ist
02:06:58: und das dann nochmal mit den Maßnahmen abgleichen
02:07:00: und euch überlegen, was da eben die beste Partei für euch wäre.
02:07:04: Danke, Marlis, für deine absolut fantastisch recherchierte Geschichte.
02:07:10: Danke. - Es hat mir sehr gut gefallen.
02:07:11: Danke für deine Einordnung auch. - Ja.
02:07:14: Und ja, es hat mich total gefreut.
02:07:17: Ich hoffe, es hat euch auch gefallen, wie immer.
02:07:20: Bewertet unseren Podcast, teilt ihn mit Menschen,
02:07:23: die es interessieren könnten.
02:07:25: Uns so weiter und sofort guckt bei unserem Instagram-Kanal vorbei,
02:07:28: pappersganzastolz.podcast.
02:07:30: Oder schickt uns an unsere Mail-Antresse,
02:07:33: kontakt@pappersganzastolz.de.
02:07:35: Eure Erfahrungen, eure Anregungen,
02:07:38: vielleicht auch wenn ihr mal eine bestimmte Geschichte
02:07:40: euch einfach gerne anhören würdet von uns,
02:07:43: dann schickt uns das alles dahin.
02:07:44: Und wir freuen uns, wenn ihr über nächsten Montag wieder einschaltet.
02:07:48: Und ja, bis dahin.
02:07:50: Tschüss.
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